Investorendebakel: Wie FIFA-Chef Infantino stürzen könnte
Investorendebakel: Wie FIFA-Chef Infantino stürzen könnte

Der Plan von Gianni Infantino, die WM-Rechte an private Investoren zu verkaufen, ist gescheitert. Das Debakel hat den FIFA-Präsidenten in eine schwere Krise gestürzt. Die Kritik an dem 56-jährigen Schweizer, der seit 2016 an der Spitze steht, wird immer lauter. Längst wird über Szenarien gesprochen, wie Infantino abgelöst werden könnte. Ein Wechsel an der Spitze erscheint möglich, auch wenn der Walliser noch viel Unterstützung genießt.

Vor drei Jahren ließ sich Infantino in Kigali, der Hauptstadt Ruandas, mit dem Applaus der Delegierten per Akklamation bestätigen. Danach sagte er: „Alle, die mich lieben, ich weiß, das sind viele, und alle die mich hassen, ich weiß, es gibt da ein paar – ich liebe euch alle.“ Inzwischen sind die Fronten jedoch verhärtet. Der gescheiterte Investorendeal hat Kritiker auf den Plan gerufen.

Die Wahl 2027 in Rabat

Im kommenden Jahr stehen turnusgemäß Wahlen an. Der 77. FIFA-Kongress ist für den 18. März 2027 in Rabat in Marokko geplant. Laut Statuten wäre dies Infantinos letzte mögliche Amtszeit von vier Jahren. Bewerbungen können bis zum 18. November eingereicht werden. Einen offiziellen Gegenkandidaten gibt es bislang nicht.

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Als möglicher Herausforderer gilt Victor Montagliani, Präsident des Fußballverbands für Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik (Concacaf). Die jüngsten scharfen Erklärungen legen nahe, dass eine von der Europäischen Fußball-Union UEFA angeführte Opposition eine schnelle Ablösung anstreben könnte. Doch bislang fehlt eine konkrete Kandidatur.

Option 1: Der FIFA-Rat wird aktiv

Der FIFA-Rat ist das wichtigste Entscheidungsgremium des Weltverbands zwischen den Kongressen. Er besteht aus 37 Mitgliedern. Wie die BBC berichtet, müssten mindestens 19 von ihnen für eine Krisensitzung stimmen. Das Treffen müsste dann innerhalb von zwei Wochen stattfinden. Infantino könnte eine Rücktrittsaufforderung allerdings schlicht ablehnen – rechtlich bindend wäre sie nicht.

Eine solche Initiative im Rat hätte vor allem politisches Gewicht. Sie würde zeigen, wie groß der Unmut im Führungsgremium ist. Da der Präsident aber vom Kongress gewählt wird, kann der Rat selbst keine Abwahl herbeiführen. Dafür ist ein anderes Verfahren nötig.

Option 2: Außerordentlicher FIFA-Kongress

Der FIFA-Kongress ist das oberste Organ des Weltverbands. Ein außerordentlicher Kongress muss einberufen werden, wenn ein Fünftel der 211 Mitgliedsverbände dies verlangt. Das sind 43 Verbände. Der Antrag ist schriftlich zu stellen; innerhalb von drei Monaten muss das Treffen abgehalten werden. Dort könnte dann ein Misstrauensvotum gegen Infantino gestellt werden.

Ein solcher Schritt wäre ein beispielloser Vorgang in der Geschichte der FIFA. Ob sich genügend Verbände für ein Misstrauensvotum finden, ist ungewiss. Die Kritik an Infantinos Plänen bedeutet schließlich nicht automatisch, dass die Mitglieder seine Abwahl wollen. Infantino genießt weiterhin viel Unterstützung.

Offene Fragen bis November

Noch ist völlig offen, ob es überhaupt zu einem Gegenkandidaten kommt. Bis zum 18. November haben Interessenten Zeit, ihre Bewerbung einzureichen. Victor Montagliani müsste in dieser Zeit Unterstützerkreise sichern. Eine oppositionelle Bewegung braucht Verbündete über die Kontinentalgrenzen hinweg.

Am 18. März 2027 wird der FIFA-Kongress in Rabat entscheiden. Der gescheiterte Investorendeal hat Infantino geschwächt, aber nicht gestürzt. Alles hängt davon ab, ob sich die Kritik in organisiertes Handeln übersetzt. (dpa)

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