Ein schlichter Filzstift aus mattiertem Aluminium, längst ausgetrocknet, hat bei einer Auktion des renommierten Auktionshauses Sotheby's in New York für Aufsehen gesorgt. Das Schreibgerät, das einst eine entscheidende Rolle während der Apollo-11-Mission spielte, wurde für mehr als 850.000 US-Dollar versteigert, was umgerechnet rund 780.000 Euro entspricht – inklusive Aufgeld. Mit ersteigert wurde ein kleines, schwarzes Kunststoffstück von etwa 1,3 Zentimetern Länge: das abgebrochene Schalterteil, das die Astronauten in eine lebensbedrohliche Situation gebracht hatte.
Der dramatische Schalterbruch auf dem Mond
Der Vorfall ereignete sich am 20. Juli 1969, als Edwin „Buzz“ Aldrin und Neil Armstrong als erste Menschen die Mondoberfläche betraten. Nach ihrem historischen Außeneinsatz standen sie vor einem ernsten Problem: Ein entscheidender Schalter in der Landefähre „Eagle“ war abgebrochen. Es handelte sich um den sogenannten Engine Arm, der das Triebwerk für den Rückstart von der Mondoberfläche aktivierte. Ohne funktionierenden Schalter wäre der Weg zurück zum Kommandomodul „Columbia“, in dem Michael Collins auf sie wartete, und zur Erde versperrt gewesen.
„Es war der schlimmste Schalter, der überhaupt hätte abbrechen können“, erinnerte sich Aldrin später. In einem Schreiben an Sotheby's erklärte der 96-jährige Astronaut: „Ich hätte zwar meinen Finger hineinstecken und den Schalter zurücksetzen können, aber durch den Schutzschalter floss Strom, und ich wollte mich nicht selbst unter Strom setzen.“ Also griff er zu einem Filzstift, rammte ihn in die Öffnung – und rettete damit die Mission.
Bis heute ist unklar, wer den Schalter abbrach. Aldrin schrieb: „Heute denke ich, dass Neil den Schalter abgebrochen hat, und Neil denkt, dass ich ihn mit einem unserer Rucksäcke abgebrochen habe, weil wir uns in diesem beengten Raum so viel bewegt haben.“ In seinem Buch „No Dream Is Too High“ von 2016 klang es laut dem „Guardian“ etwas anders: „Da der Schutzschalter sich auf meiner Seite der Kapsel befand, hatte ich ihn offenbar mit dem schweren Rucksack gestoßen – entweder als ich mich darauf vorbereitete, nach draußen zu treten, oder als wir nach unserem Spaziergang auf dem Mond wieder eingestiegen waren.“
Weitere versteigerte Erinnerungsstücke
Neben dem Filzstift und dem Schalterteil trennte sich Aldrin von zahlreichen weiteren Gegenständen aus seiner persönlichen Sammlung. Eine sowjetische Flagge, die er bei der Apollo-11-Mission dabeihatte, erzielte 102.400 Dollar (rund 89.000 Euro) – etwa das Zehnfache des Schätzwerts. Die kleine UdSSR-Flagge (etwa 10 mal 15 Zentimeter) trug die Aufschrift „Flown to the moon on Apollo XI“ und Aldrins Unterschrift. Aldrin erklärte, er habe die Flagge „als Geste der Diplomatie und um dieses historische Ereignis zu würdigen“ mitgenommen. Sie sei ein Zeichen des guten Willens zwischen den USA und der Sowjetunion gewesen und ein Beleg dafür, dass Apollo 11 eine menschliche Errungenschaft war, die nationale Grenzen überschritt.
Der Apollo-11-Flugplan, ein mehr als 300-seitiges Originaldokument mit allen Schritten für die erste Mondlandung, datiert vom 1. Juli 1969 und von Aldrin signiert, wurde für 51.200 Dollar (rund 45.000 Euro) versteigert. Ein Farbfoto mit dem Titel „Earthrise“, das die aufgehende Erde vom Apollo-11-Kommandomodul aus zeigt, brachte 61.440 Dollar (rund 54.000 Euro). Allerdings ist der Titel irreführend: Die gleichnamige, weltberühmte Version stammt von der Apollo-8-Mission. Das versteigerte Bild war dafür signiert und ausführlich beschriftet von Aldrin, Michael Collins und CAPCOM Charlie Duke. Eine separat gerahmte Signatur von Neil Armstrong vervollständigte die Crew.
Uhren aus Aldrins Besitz
Zwei Uhren von Aldrin fanden ebenfalls neue Besitzer. Eine Omega Speedmaster Professional „Moonwatch“ (Referenz 3590.50.00) erzielte 44.800 Dollar (rund 39.000 Euro). Dieses Exemplar war jedoch nie auf dem Mond, sondern stammt aus der Zeit um 1990. Das legendäre Modell, das Aldrin 1969 auf dem Mond trug, gilt als verschollen. Eine Omega Speedmaster X-33 „Nasa“ Gen Two, eine Titan-Quarzuhr mit Digitalanzeige, die speziell für Militärpiloten und Astronauten entwickelt wurde, ging für denselben Preis von 44.800 Dollar (rund 39.000 Euro) an den oder die Meistbietenden.
Das Apollo-Programm gilt bis heute als eine der größten technischen Anstrengungen der Menschheitsgeschichte. Bis zu 400.000 Menschen arbeiteten mit, um die USA als erste Nation zum Mond zu bringen. Am 16. Juli 1969 starteten Neil Armstrong, Buzz Aldrin und Michael Collins. Am 20. Juli setzten Armstrong und Aldrin mit der Landefähre „Eagle“ auf, während Collins im Kommandomodul „Columbia“ blieb. Nach 22 Stunden auf dem Mond kehrten sie zurück – dank des Filzstifts. Aldrin resümierte in seinem Brief an Sotheby's: „Am Ende war das Wichtigste, herauszufinden, wie wir das Problem lösen.“



