Paris Hilton erhielt ihre ADHS-Diagnose erst in ihren 20ern. Lange Zeit fühlte sie sich „falsch“, überspielte ihre Emotionen und kämpfte mit typischen Hürden wie schlechten Noten und ständiger Vergesslichkeit. Heute sieht sie die Neurodivergenz als ihre „Superkraft“ an und hat sogar ihr Zuhause entsprechend umgestaltet.
Das Problem mit der Sichtbarkeit
Im Zentrum von Hiltons Alltag steht ein Phänomen, das sie selbst als mangelnde „Objektpermanenz“ bezeichnet. Sie erklärt bei PEOPLE: „Wenn man etwas nicht sieht, existiert es im Grunde nicht im Kopf.“ Um zu verhindern, dass Dinge in ihrem Gehirn einfach gelöscht werden, zeigt sie in ihrer Serie „Inclusive by Design“, wie sie ihr Zuhause darauf ausrichtet. In ihrem Bastelzimmer nutzt sie durchsichtige Boxen; im Kleiderschrank ist jede blickdichte Schublade penibel beschriftet. „Ich muss alles sehen können, damit mein Gehirn sich merkt, wo es ist“, so Hilton. Selbst ihr Bürostuhl ist flexibel, um ihrem Bewegungsdrang gerecht zu werden.
Hat Hilton wirklich Objektpermanenz?
Hilton unterläuft damit allerdings einen verbreiteten Irrtum innerhalb der ADHS-Community. Wissenschaftlich gesehen ist „Objektpermanenz“ ein Konzept der frühen Kindheit – also die Fähigkeit eines Babys, zu verstehen, dass ein Gegenstand weiterhin existiert, auch wenn er unter einem Tuch versteckt wird. Bei Menschen mit ADHS liegt technisch gesehen meist keine Störung der Objektpermanenz vor, sondern vielmehr eine Beeinträchtigung des Arbeitsgedächtnisses: Dinge geraten nach dem Motto „aus den Augen, aus dem Sinn“ schneller in den Hintergrund. Dennoch verbinden viele ADHS-Betroffene – so auch das „It-Girl des Jahres 2005“ – ihre Vergesslichkeit und Unaufmerksamkeit mit dem Begriff der Objektpermanenz.
Obwohl der Begriff wissenschaftlich nicht ganz präzise ist, helfen Hiltons Lösungen dennoch. Ihr Ansatz zeigt, wie wichtig eine Umgebung ist, die Reize ordnet, statt sie zu verstecken.



