Er wirkt als Action-Held unverwundbar, doch privat kämpft Alan Ritchson mit einer schweren psychischen Belastung. Der 43-jährige „Reacher“-Star hat im Podcast „Armchair Expert with Dax Shepard“ offenbart, dass bei ihm eine komplexe posttraumatische Belastungsstörung (kPTBS) diagnostiziert wurde. Bereits 2024 hatte er öffentlich gemacht, dass eine bipolare Störung festgestellt worden war.
Schwere Kindheitserfahrungen als Ursache
Eine komplexe PTBS entsteht laut Fachleuten durch wiederholte, oft in der Kindheit erlebte Traumata. In der Therapie habe Ritchson gelernt, dass Faktoren wie Missbrauch, chronischer Mangel, Sucht im Elternhaus oder fehlende sichere Bindungen das Risiko erhöhen können. Bei dem Schauspieler äußert sich die Erkrankung vor allem durch ständige Selbstvorwürfe. „Wenn etwas schiefgeht oder die Stimmung angespannt ist, glaube ich häufig, selbst die Ursache zu sein“, schilderte Ritchson im Gespräch.
Hypervigilanz und innere Alarmbereitschaft
Hinzu kommt eine ständige innere Alarmbereitschaft des Nervensystems – Fachleute sprechen von Hypervigilanz. Betroffene wie Ritchson scannen ihre Umgebung ununterbrochen nach Fehlern oder Gefahren. Dies belastet auch das Familienleben: „Wenn eines meiner Kinder weint, ist mein erster Gedanke: ‚Was habe ich getan?‘“ Dadurch verliere er manchmal den Blick für die eigentliche Situation und sei nicht in der Lage, sein Kind zu trösten.
Starke Reaktionen auf Kritik
Schon vermutete Kritik oder Zurückweisung trifft Ritchson heftig. Er kann mit Konflikten kaum umgehen: „Ich hasse es so sehr, weil es eine so viszerale, heftige, krankmachende körperliche Reaktion ist, dass ich alles tun würde, um sie zu vermeiden. Also werde ich perfekt für dich sein, damit du niemals wütend auf mich wirst. Das funktioniert aber auf Dauer nicht. Es ist erschöpfend.“
EMDR-Therapie als Weg der Besserung
Ritchson wehrt sich gegen die Folgen der Erkrankung. Gute Erfahrungen habe er mit der EMDR-Therapie gemacht (Eye Movement Desensitization and Reprocessing). Dabei werden beide Gehirnhälften angeregt, sodass Betroffene belastende Erinnerungen verarbeiten können, ohne emotional überfordert zu werden. Der Schauspieler hofft, durch die Behandlung langfristige Linderung zu finden. Die Diagnose kPTBS erkläre viele seiner Verhaltensweisen und gebe ihm einen Rahmen für die Therapie.



