Netflix hat eine Neuauflage des TV-Klassikers „Unsere kleine Farm“ produziert. Die Serie feiert die Solidarität der Siedler, stellt aber auch unbequeme Fragen: Wie werden aus Eindringlingen plötzlich Eigentümer? Tobias Becker analysiert in DER SPIEGEL 29/2026 die Ambivalenz der Neuverfilmung.
Ein Klassiker neu interpretiert
Die Originalserie „Unsere kleine Farm“ lief von 1974 bis 1983 und basiert auf den autobiografischen Büchern von Laura Ingalls Wilder. Sie erzählt die Geschichte einer Pionierfamilie im amerikanischen Mittleren Westen des 19. Jahrhunderts. Die Netflix-Neuauflage greift diese Erzählung auf, verleiht ihr jedoch eine kritischere Perspektive. Im Mittelpunkt steht nicht nur das harte Leben der Siedler, sondern auch die Frage nach dem Landbesitz und der Verdrängung der indigenen Bevölkerung.
Unbequeme Fragen
„Die Serie zeigt die Zuversicht der einen und die Verzweiflung der anderen“, schreibt Becker. Während die Siedlerfamilie Ingalls für ein besseres Leben kämpft, wird deutlich, dass ihr Land ursprünglich den Ureinwohnern gehörte. Die Neuverfilmung thematisiert diesen Konflikt offen und stellt die moralischen Grundlagen der Besiedlung infrage. „Wie werden aus Eindringlingen plötzlich Eigentümer?“, fragt der Autor und verweist auf die historische Vertreibung der Native Americans.
Kritik und Rezeption
Die Neuverfilmung hat gemischte Reaktionen hervorgerufen. Während einige Zuschauer die kritische Auseinandersetzung loben, kritisieren andere die Abweichung vom optimistischen Ton des Originals. „Die Serie polarisiert“, so Becker. „Sie fordert den Zuschauer heraus, sich mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen.“ Die Produktion von Netflix umfasst zehn Episoden und wird voraussichtlich im Herbst 2026 veröffentlicht.



