Salzburger Festspiele: Ulrich Rasches "Faust" in Zeitlupe begeistert
Ulrich Rasches "Faust" in Zeitlupe bei Salzburger Festspielen

Die Salzburger Festspiele haben mit einer ungewöhnlichen Inszenierung des deutschen Nationaldramas "Faust" von Johann Wolfgang von Goethe Premiere gefeiert. Regisseur Ulrich Rasche setzt bei seiner Interpretation auf ein extremes Stilmittel: Die gesamte Aufführung, die am 26. Juli 2026 Premiere hatte, läuft in Zeitlupe ab. Trotz dieser Verlangsamung – oder vielleicht gerade deswegen – gelingt es dem Ensemble, das Publikum zu fesseln.

Herausragende Schauspieler in einem ungewöhnlichen Tempo

Rasche hat für seine Inszenierung außergewöhnlich gute Schauspielerinnen und Schauspieler versammelt, darunter Namen wie Nussbaum, Scharf und Tscheplanowa. Sie spielen die Figuren nicht als individuelle Charaktere, sondern als "Abspaltungen" ein und desselben Subjekts, wie die Bühnenbilder andeuten. Die Zeitlupe verstärkt diesen Eindruck: Jede Bewegung, jede Geste wird betont, was den zerbrechlich-dramatischen Charakter des Stücks unterstreicht.

Kritische Rezeption und Wirkung

Die Kritik lobt die mutige Herangehensweise Rasches. Der Rezensent Wolfgang Höbel beschreibt in seiner Besprechung, wie die Zeitlupe dem Faust-Stoff neue Dimensionen verleiht: "Die Verlangsamung zwingt das Publikum, jeden Satz, jede Regung genau zu betrachten. Es entsteht eine Intensität, die man sonst selten erlebt." Die Premiere fand im Großen Festspielhaus statt und war mit über 2.000 Plätzen nahezu ausverkauft. Das Stück läuft noch bis Ende August.

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Ulrich Rasche: Ein Regisseur extremer Mittel

Ulrich Rasche ist bekannt für seine minimalistischen, aber effektstarken Inszenierungen. Bereits zuvor hatte er mit Zeitlupeneffekten experimentiert, doch bei "Faust" setzt er dieses Mittel konsequent über die gesamte Dauer von knapp vier Stunden ein. Die Bühne ist reduziert auf eine dunkle, fast karge Fläche, auf der die Schauspieler in schwarzen Kostümen agieren. Die Musik, komponiert von einem unbekannten Künstler, untermalt die langsamen Bewegungen mit monotonen Klängen.

Bedeutung für die Salzburger Festspiele

Die Inszenierung ist ein Höhepunkt des diesjährigen Programms der Salzburger Festspiele, die für ihre innovativen und kontroversen Theaterproduktionen bekannt sind. "Faust" in dieser Interpretation zeigt, dass das Festival bereit ist, Risiken einzugehen und traditionelle Werke neu zu denken. Die Produktion wird voraussichtlich auch auf anderen Bühnen im deutschsprachigen Raum zu sehen sein.

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