Weltraum-Ariadne bei Salzburger Festspielen gescheitert
Weltraum-Ariadne bei Salzburger Festspielen gescheitert

Am Premierenabend der Salzburger Festspiele ist die Neuinszenierung von Richard Strauss' 'Ariadne auf Naxos' mit einem Weltraum-Konzept auf deutliche Ablehnung gestoßen. Das Publikum quittierte die Vorstellung mit einem Pfeifkonzert und anhaltenden Buh-Rufen.

Die Regie hatte die Handlung in ein Raumschiff der Zukunft verlegt. Die antike Figur der Ariadne wird dabei zur Astronautin, die nach einem technischen Defekt auf einem fremden Planeten strandet. Statt Barockprunk und mythologischer Embleme dominieren Kühlschrank-Ästhetik und Neonlicht die Bühne. Was als moderner Brückenschlag gedacht war, erwies sich für viele als unverständlich.

Ein Konzept, das nicht trägt

Die Idee, die Einsamkeit der verlassenen Ariadne mit der Isolation von Raumfahrern zu parallelisieren, ist nicht neu. In dieser Umsetzung jedoch fehlte die dramaturgische Schärfe. Die Zuschauer sahen sich mit einer Fülle an Effekten konfrontiert, die die Handlung eher verdeckten als unterstützten. Kritiker waren sich einig: Das Konzept verstellt den Blick auf Hofmannsthals vielschichtige Textvorlage.

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Besonders die Figur des Bacchus, in der Vorlage ein Gott, erscheint hier als Kommandant der Raumstation. Der Rollentausch wirkt aufgesetzt. Die Verwirrung des Publikums spiegelte sich in der Pause, in der viele Besucher ratlos vor dem Haus standen.

Musikalisch auf hohem Niveau

Musikalisch war der Abend dagegen ein Ereignis. Die Wiener Philharmoniker spielten die komplexe Partitur mit transparenter Klarheit. Dirigent und Orchester sorgten für Momente von großer Intensität. Auch die Sänger und Sängerinnen zeigten durchweg starke Leistungen. Vor allem die Darstellerin der Ariadne beeindruckte mit dramatischem Sopran, während die Koloratursopranistin in der Rolle der Zerbinetta akrobatische Glanzlichter setzte.

Doch die musikalische Ebene und die szenische Ebene liefen weitgehend getrennt voneinander. Die Choreografie der Ensembles wirkte beliebig, und die Lichtregie setzte die Stars regelmäßig in ungünstige Positionen. So entstand kein stimmiges Gesamtkunstwerk, sondern ein Nebeneinander von guten Einzelleistungen.

Buh-Rufe am Ende

Nach rund zwei Stunden und zwanzig Minuten endete die Vorstellung mit gemischten Reaktionen. Während ein Teil des Publikums applaudierte, waren die Buh-Rufe deutlich vernehmbar. Auch in den sozialen Netzwerken machte sich Enttäuschung breit. Einige Nutzer sprachen von einer 'verpassten Gelegenheit' und forderten eine Rückkehr zu traditionelleren Deutungen.

Die Premiere war eine der meistbeachteten Produktionen des diesjährigen Festspielsommers. Dass ausgerechnet dieses Stück derart polarisiert, überrascht Kenner des Werks nur bedingt. 'Ariadne auf Naxos' gilt als besonders sperrige Oper, die sowohl komische als auch tragische Elemente enthält und Regiearbeit auf höchstem Niveau verlangt.

Rückblick und Ausblick

Die Oper wurde 1916 uraufgeführt, nachdem die ursprünglich geplante Fassung für das Burgtheater verworfen worden war. Die Salzburger Festspiele haben das Werk immer wieder aufgegriffen. In der Vergangenheit standen prominente Regisseure wie Max Reinhardt und Herbert Wernicke hinter den Inszenierungen. Die aktuelle Produktion wird in dieser Spielzeit noch mehrere Male gezeigt. Ob die Regie das Konzept überarbeitet, ist bislang nicht bekannt.

Die Salzburger Festspiele gelten als eines der wichtigsten Kulturfestivals der Welt. Mit der Weltraum-Ariadne haben sie einen mutigen Wurf gewagt, der allerdings nicht gelungen ist. Der angekündigte 'neue Blick' auf den Klassiker entpuppte sich als Irrweg. Die Vorfreude auf kommende Premieren dürfte unter diesem Eindruck leiden.

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