In Frankreich, Spanien und Italien breiten sich beispiellose Waldbrände aus. Mit ihnen zieht giftiger Rauch über Städte und Urlaubsorte. Betroffene klagen über Husten, Schwindel und Übelkeit. Die Behörden raten: Zu Hause bleiben, Räume abdichten, körperliche Aktivität vermeiden.
Was den Rauch so gefährlich macht
Bei der Verbrennung von Holz entsteht ein Cocktail aus Schadstoffen. Neben hochgiftigem Kohlenmonoxid und polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) ist vor allem Feinstaub gefährlich. Die winzigen Partikel dringen laut Umweltbundesamt tief in die Lunge ein, können ins Blut übergehen und das Herz-Kreislauf-System belasten. Direkt nach dem Einatmen treten Reizungen an Augen, Atemwegen und Haut auf, auch Gewebeschwellungen sind möglich. Die Lungenfunktion wird deutlich beeinträchtigt.
Langfristig lösen Feinstaubpartikel Entzündungen und Zellstress aus. Das kann zu erhöhtem Blutdruck, verminderter Herzrhythmusvariabilität und erhöhter Sterblichkeit führen. Diskutiert werden Verbindungen zu neurologischen Erkrankungen wie Demenz. Zudem sind PAK nachweislich krebserregend. Studien deuten darauf hin, dass Rauchbelastung in der Spätschwangerschaft negative Auswirkungen auf Neugeborene hat.
Wie stark der Rauch wirkt, hängt von mehreren Faktoren ab: Expositionsdauer, Rauchendichte, Zusammensetzung, Wetterlage sowie individueller Anfälligkeit und Vorerkrankungen. Besonders gefährdet sind alte Menschen, Asthmatiker, Herzpatienten, Kinder und Schwangere. Bei Beschwerden sollen sie einen Arzt aufsuchen. Bei Atemnot, blauen Lippen, starker Benommenheit oder Engegefühl in der Brust muss der Notarzt gerufen werden.
Schutz vor dem giftigen Rauch
Die französischen Behörden fordern die Menschen in Brandnähe auf, zu Hause zu bleiben: Türen, Fenster und Rollläden geschlossen halten, elektrische Lüftungen ausschalten. Drinnen sind Zigaretten, Kerzen und Räucherstäbchen tabu. Das Auto soll stehen bleiben, außer zur Evakuierung. „Der wichtigste Schutz besteht darin, sich dem Rauch gar nicht erst auszusetzen“, sagt Lungenspezialist Mathieu Molimard von der Universitätsklinik Bordeaux, westlich der sich die Flammen unkontrolliert ausbreiten. „Wenn der Wind gedreht hat und die Luftqualität wieder besser ist, kann man die Wohnung wieder lüften.“
Wer das Haus verlassen muss, kann eine FFP2-Maske tragen. Sie schützt vier bis acht Stunden vor Feinstaub, lässt aber giftige Gase wie Stickstoffmonoxid oder Acrolein durch. „Eine FFP2-Maske ist besser als nichts, aber nicht die Lösung für alles“, warnt Molimard. Ohne Maske hilft ein nasses Tuch über Mund und Nase. Andere Masken sind nutzlos. Sport im Freien – Joggen, Fußball, Radfahren – ist keine gute Idee, da Sportler mehr giftigen Rauch einatmen. Asthmatiker und Menschen mit chronischer Bronchitis sollten ohnehin zu Hause bleiben.
Verhalten nach einer Evakuierung
Bei der Rückkehr nach einer Evakuierung gilt: Asche und Staub nicht mit bloßen Händen anfassen. Nur mit Handschuhen und Wasser abwaschen – nicht mit Besen, Staubsauger oder Hochdruckreiniger, da sie die Asche aufwirbeln. Obst und Gemüse aus dem Garten sollten gewaschen und geschält werden. Zudem empfiehlt es sich, den Wasserhahn zwei Minuten laufen zu lassen, bevor das Wasser getrunken wird. Das Umweltbundesamt betont, dass die gesundheitlichen Langzeitfolgen von Waldbränden noch unzureichend erforscht sind, aber die akuten Risiken ernst genommen werden müssen.



