Vollbremsung auf B63: Baby kommt im VW Touran zur Welt
Vollbremsung auf B63: Baby im VW Touran geboren

Die Klinik war nur noch 1,6 Kilometer entfernt, doch Carlo entschied anders: Mitten auf der B63 in Hamm erblickte er das Licht der Welt – im blauen VW Touran seines Vaters Felix. Die Polizei sperrte die Brücke kurzerhand ab und machte sie zum provisorischen Kreißsaal. Drei Tage später trifft BILD die Familie Kolberg in Bergkamen. Carlo nuckelt zufrieden an seinem Schnuller, während Schwester Tessa (1) eine Aprikose isst. Eltern Lisa (33) und Felix (30) strahlen. „Das war wirklich ganz schön irre. Wir reden noch immer von nichts anderem“, sagt der selbstständige Handwerker.

Entspannte Nacht, plötzliche Wende

Die Geschichte begann unspektakulär: Um vier Uhr morgens wurde Lisa Kolberg wach – es war der errechnete Geburtstermin. Mit dem Gefühl, dass es losgehen könnte, duschte sie entspannt, weckte Mann und Schwiegereltern, die auf Tessa aufpassen sollten. Alle warteten gelassen. Doch um 6:50 Uhr änderte sich alles: Die Wehen kamen alle fünf bis zehn Minuten. Die Familie sprang ins Auto und fuhr Richtung Geburtsklinik.

Fruchtblase platzt auf der Brücke

Felix Kolberg: „Es wurde immer schlimmer. Lisa stand der Schweiß auf der Stirn, sie hechelte immer stärker. Ich fuhr schneller, mit Lichthupe und Warnblinklicht. Alle machten Platz.“ Lisa rief: „Jetzt musst du dich aber beeilen!“, stellte die Beine aufs Armaturenbrett, zog Kleid und Slip aus. Dann platzte die Fruchtblase – auf der B63, mitten auf einer Brücke. „Ich blickte kurz rüber und sah schon das Köpfchen. Ich bremste, zog die Handbremse und fing im nächsten Augenblick das glitschige Baby auf. Es schrie, ich legte es meiner Frau an die Brust.“ Eine Autofahrerin eilte herbei, wickelte Mutter und Kind in eine Decke. Zitternd stand Felix auf der Straße und wählte 112. Polizei, Rettungsdienst und Notarzt waren binnen Minuten vor Ort.

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Nabelschnur im Rettungswagen durchtrennt

Die Polizei sperrte die Brücke, ein kleiner Stau war unvermeidbar. Felix durfte mit in den Rettungswagen, um die Nabelschnur zu durchtrennen. Dann ging es in Kolonne zur Klinik. Nach den üblichen Untersuchungen die Erleichterung: Mutter und Carlo sind wohlauf. Die Ärztin notierte: 3750 Gramm, 50 Zentimeter groß, 34 Zentimeter Kopfumfang. „Ich habe bis zuletzt gedacht, dass ich es noch schaffe. Bei Tessa ging es auch schnell, aber nicht so extrem schnell“, sagt Lisa, die als medizinische Fachangestellte in der Geburtshilfe der Uniklinik Münster arbeitet.

Vorsicht beim nächsten Kind

Beim nächsten Kind fahren die Kolbergs auf jeden Fall früher los. „Notfalls lasse ich das Duschen lieber weg“, sagt Mama Lisa. Die Geschichte zeigt, wie schnell es gehen kann – und wie wichtig es ist, rechtzeitig zu reagieren.

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