Im Osten der Demokratischen Republik Kongo breitet sich eine besonders tückische Form des Ebolavirus aus. Mediziner warnen vor dem sogenannten „Wandelnden Ebola“. Dabei handelt es sich um das Bundibugyo-Ebolavirus, das sich langsamer im Körper ausbreitet als andere Stämme. Die Infizierten sind zwar krank genug, um das Virus zu verbreiten, aber nicht so schwer erkrankt, dass sie ihren Alltag nicht mehr bewältigen können.
Schleichender Verlauf erschwert Diagnose
„Die Erkenntnis, dass Ebola im Gehen vorkommt, war für mich ein echter Aha-Moment“, sagt Virologin Corri Levine, die das Virus untersucht hat. Sie erklärt: „Wenn sich die Krankheit im Körper langsamer ausbreitet, können zwar erste Symptome auftreten, aber nicht so stark, dass man sich elend fühlt und sich nicht mehr bewegen kann. Es ist eher ein längerer, schleichender Krankheitsverlauf.“ Dieser Verlauf birgt ein doppeltes Risiko: Einerseits haben Patienten die besten Überlebenschancen bei frühzeitiger Behandlung. Andererseits ist die Viruslast oft bereits sehr hoch, wenn sie medizinische Hilfe suchen – dann droht multiples Organversagen.
Dramatischer Anstieg der Todesfälle
Die Zahl der Todesfälle hat sich in diesem Monat fast verdoppelt. Mehr als 90 Prozent der bestätigten Todesfälle treten ein, bevor die Patienten Behandlungszentren erreichen. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) entstehen vier von fünf Neuinfektionen außerhalb bekannter Infektionsketten. Die Ebola-Stationen sind überfüllt, Diagnosen kommen zu spät, und Infizierte bleiben länger in ihren Dörfern – und stecken weitere Menschen an.
Aktuelle Fallzahlen und genetische Risiken
Bislang wurden im Kongo 2181 bestätigte Fälle und 864 Todesfälle gemeldet, wie das Nationale Institut für öffentliche Gesundheit am Freitag mitteilte. Die Sterblichkeitsrate des Ausbruchs liegt damit bei 40 Prozent. Genetikerin Pardis Sabeti vom Broad Institute des MIT und der Harvard University warnt: Je weiter das Bundibugyo-Virus zirkuliert, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es „genetische Veränderungen durchläuft, die unermessliches Leid verursachen könnten“.



