Afghanischer Kosmonaut Abdul Ahad Momand in Deutschland gestorben
Afghanischer Kosmonaut Momand in Deutschland gestorben

Abdul Ahad Momand, der erste und bis heute einzige afghanische Raumfahrer, ist in Deutschland gestorben. Der Kosmonaut, der 1988 an Bord einer sowjetischen Sojus-Mission ins All flog, wurde 67 Jahre alt. Momand starb nach Angaben seiner Familie in der Nähe von Stuttgart, wo er zuletzt lebte.

Eine Mission mit Symbolkraft

Momand startete am 29. August 1988 an Bord der Sojus TM-5 zur sowjetischen Raumstation Mir. Der Flug dauerte neun Tage. Er führte eine afghanische Flagge, zwei Exemplare des Korans und eine persönliche Bitte um Frieden für sein vom Krieg zerrissenes Land mit sich. „Ich wollte meinem Volk eine Botschaft der Einheit und Hoffnung bringen“, sagte Momand später in einem Interview.

Die Mission war jedoch von einem dramatischen Zwischenfall überschattet. Beim Andocken an die Mir fiel das automatische Steuerungssystem des Raumschiffs aus. Momand und sein sowjetischer Kommandant Wladimir Ljachow mussten manuell andocken – nur Sekunden vor dem Aufprall auf die Station. „Wir waren nur einen Wimpernschlag von einer Katastrophe entfernt“, erinnerte sich Ljachow Jahre später.

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Vom Kriegshelden zum Exilanten

Nach seiner Rückkehr wurde Momand in Afghanistan als Nationalheld gefeiert. Die Regierung in Kabul ehrte ihn mit dem Titel „Held der Demokratischen Republik Afghanistan“. Doch der Jubel währte nicht lange. Mit dem Sturz der kommunistischen Regierung 1992 und dem Aufstieg der Mudschaheddin geriet Momand ins Visier der neuen Machthaber. Er floh zunächst nach Moskau, später nach Deutschland.

„Mein Land hat meine Botschaft nicht gehört. Der Krieg ging weiter, und ich wurde zum Verräter erklärt“, sagte Momand in einem seltenen Interview 2015. In Deutschland lebte er zurückgezogen in einer kleinen Wohnung in Baden-Württemberg. Er arbeitete zeitweise als Übersetzer und engagierte sich in der afghanischen Exilgemeinde.

Ein Leben zwischen zwei Welten

Momand wurde 1959 in Kabul geboren. Er studierte Luftfahrttechnik in der Sowjetunion und wurde 1984 als einer von zwei afghanischen Kandidaten für das Interkosmos-Programm ausgewählt. Nach dem Ende seiner Raumfahrtkarriere verlor er den Kontakt zu seiner Heimat. „Er war ein Brückenbauer zwischen Ost und West, aber am Ende fühlte er sich nirgendwo zu Hause“, so ein Freund der Familie.

Die afghanische Botschaft in Berlin würdigte Momand als „Pionier der afghanischen Wissenschaft“ und kündigte eine Gedenkfeier an. „Sein Flug ins All war ein Moment des Stolzes für alle Afghanen“, hieß es in einer Mitteilung. Momand hinterlässt eine Frau und drei Kinder, die in Deutschland leben.

Ein Vermächtnis der Hoffnung

Momands Flug bleibt ein Symbol für die einstigen Ambitionen Afghanistans, sich der internationalen Gemeinschaft zu öffnen. „Er hat gezeigt, dass Afghanen Großes erreichen können, wenn sie die Chance dazu bekommen“, sagte der afghanische Raumfahrtexperte Ahmad Shah Habib. „Doch sein Schicksal spiegelt auch die Tragödie unseres Landes wider: Diejenigen, die nach Frieden streben, werden oft ausgestoßen.“

Die Beisetzung soll im engsten Familienkreis auf einem Friedhof in Stuttgart stattfinden. Die Familie bat um Respekt für die Privatsphäre. Momands Wunsch, seine Asche in Afghanistan zu verstreuen, ließ sich aufgrund der anhaltenden Konflikte nicht verwirklichen.

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