Bali geht entschlossen gegen Touristen und digitale Nomaden vor, die sich nicht an die Regeln halten. Zwei Niederländer wurden von den Behörden auf eine schwarze Liste gesetzt und dürfen nicht mehr auf die indonesische Urlaubsinsel einreisen. Der Grund: Sie hatten einen Freizeit-Laufclub organisiert, bei dem westliche Teilnehmer angeblich bevorzugt wurden. Der Fall hat eine Debatte über strengere Regeln für Urlauber und digitale Nomaden ausgelöst.
Was war passiert?
Ausgangspunkt der Geschichte war die Bewerbung einer Indonesierin, Annisa Rahmadani, um Mitgliedschaft im „Club Entourage Bali“, einer von zwei Niederländern gegründeten Gemeinschaft für digitale Nomaden. Während ihre Bewerbung offenbar „zurückgestellt“ wurde, sei ihr westlicher Mann ohne Probleme aufgenommen worden, schrieb Rahmadani in sozialen Medien und beschuldigte den Club, sie aufgrund ihres indonesischen Namens und ihrer indonesischen Telefonnummer „diskriminiert“ zu haben. Die Bewerbung ihres Mannes sei akzeptiert worden, weil sein Name westlich gewirkt habe.
Behörden reagieren scharf
Rahmadanis Post ging viral und erhielt innerhalb weniger Tage hunderte Kommentare. Einige Kommentatoren waren nicht zuletzt auch aufgrund der Nationalität der beiden Organisatoren verärgert – Indonesien war über Jahrhunderte hinweg eine holländische Kolonie. Balis Einwanderungsdirektor Hendarsam Marantoko sagte dem „Jakarta Globe“: „Es kann keinen Staat im Staate geben.“ Staatsbürger anderer Nationen dürften nicht innerhalb Indonesiens eigene, exklusive Regeln für sich schaffen. Laut Medienberichten hatten die beiden Niederländer das Land bereits vor der Eskalation in Richtung Singapur verlassen. Eine Rückkehr wird ihnen nun untersagt.
Der Club gab eine öffentliche Stellungnahme ab, entschuldigte sich und machte deutlich, dass digitale Nomaden sich nicht allein über ihre Herkunftsländer definieren ließen – in der Community seien Menschen aus den verschiedensten Nationen vertreten, darunter auch viele Indonesier. Während einige Events für jedermann zugänglich seien, richteten sich andere – etwa Frauenlauf-Veranstaltungen – bewusst an spezifische Zielgruppen.
Strengere Visaregeln für digitale Nomaden
Laut dem „Sydney Morning Herald“ erklärte die balinesische Polizei, dass es kein offizielles Verbot für Indonesier gegeben habe, räumte aber ein, dass die Events faktisch von ausländischen Teilnehmern dominiert worden seien. Inzwischen überprüfen die Behörden auch, ob der Sponsor der beiden Männer, ein Baustofflieferant, sowie die beiden digitalen Nomaden selbst die richtigen Visa besaßen. Der Vorfall hat in sozialen Netzwerken eine Welle des Nationalismus ausgelöst. Die in Deutschland lebende indonesische Influencerin Sasha Astiadi mahnte in einer Videobotschaft, Ausländer auf Bali sollten sich fragen, ob sie über die richtige Aufenthaltsgenehmigung verfügten. Indonesien verlange von digitalen Nomaden weder Steuerzahlungen noch Sprachkenntnisse, wohl aber ein gültiges Visum und Respekt vor der Kultur.
Erst im Mai führte Indonesien strengere Visaregeln ein. Unter anderem können Lifestyle- und Reise-Influencer nun nicht mehr auf einem Touristenvisum einreisen – ein Zeichen der wachsenden Frustration der Behörden über die zunehmende Zahl von Ausländern, die unter dem Deckmantel des Tourismus arbeiten oder sich länger als erlaubt aufhalten.
Weitere Fälle von Respektlosigkeit
Wie entschlossen Bali mittlerweile durchgreift, zeigt auch der Fall eines Schweizers, der im März von der Polizei aufgrund von Instagram-Kommentaren festgenommen wurde. Der 26-Jährige soll sich laut der Tageszeitung „Jakarta Post“ abfällig über Nyepi, den höchsten hinduistischen Feiertag Balis, auch bekannt als „Tag der Stille“, geäußert haben. Der Feiertag leitet das balinesische Neujahr ein – der gesamte öffentliche Nahverkehr ruht, Straßen sind leer und selbst auf dem Flughafen der Insel landet und startet keine Maschine. Dem Schweizer wurde religiöser Hass vorgeworfen – ihm drohen bis zu 15 Monate Haft. Als Beweismittel beschlagnahmte die Polizei unter anderem sein Handy.
Diese Vorfälle sind Ausdruck einer längerfristigen Entwicklung. Schon 2023 kündigte Balis Gouverneur Wayan Koster angesichts wachsender Verkehrsverstöße und tödlicher Unfälle an, Motorradvermietungen an Touristen zu verbieten. Ausländer sollten Autos fortan nur noch über Reiseveranstalter buchen können, um „einen qualitativ hochwertigen und würdevollen Tourismus zu gewährleisten“, wie ihn die Nachrichtenagentur Bloomberg zitierte. Allerdings wurde die Ankündigung in der damals angekündigten Form nie umgesetzt. Im gleichen Jahr sorgten aufsehenerregende Einzelepisoden für Ärger in der Bevölkerung, darunter Nacktaufnahmen an einem heiligen Baum sowie am als heilig verehrten Vulkan Mount Agung. Beide Fälle führten ebenfalls zu Ausweisungen.
Bali zwischen Kultur und Massentourismus
Bali ist die einzige Insel im überwiegend muslimischen Indonesien, in der die Bevölkerung hinduistisch geprägt ist. Religiöse Bräuche bestimmen dort das alltägliche Leben in besonderem Ausmaß. Gleichzeitig lockt die „Insel der Götter“ alljährlich Millionen ausländische Besucher an – laut offiziellen Angaben über sechs Millionen pro Jahr. Darunter sind Urlauber, digitale Nomaden, Influencer und sogenannte Life Coaches. Dieser Andrang ist nach Aussagen der Behörden zunehmend mit überzogener Aufenthaltsdauer, Schwarzarbeit und mangelndem Respekt gegenüber der einheimischen Bevölkerung verbunden.
Die jüngsten Maßnahmen zeigen: Bali ist bereit, seinen Ruf als weltoffenes Paradies zu verteidigen, aber auch die Grenzen aufzuzeigen. Wer die Regeln missachtet, riskiert nicht nur eine Ausweisung, sondern auch die Aufnahme auf eine schwarze Liste – mit dauerhaftem Einreiseverbot. Für digitale Nomaden und Touristen bedeutet dies: Respekt vor der lokalen Kultur und Einhaltung der Visabestimmungen sind unerlässlich, um die Insel weiterhin genießen zu können.



