In der bolivianischen Hauptstadt La Paz herrscht Ausnahmezustand. Tausende indigene Bauern und Landarbeiter haben die Zufahrtsstraßen zur Millionenmetropole blockiert und legen damit weite Teile des öffentlichen Lebens lahm. Die Proteste richten sich gegen die Wirtschafts- und Sozialpolitik der Regierung von Präsident Luis Arce. Besonders umstritten sind geplante Reformen im Agrarsektor, die nach Ansicht der Demonstranten die Rechte der indigenen Gemeinschaften untergraben.
Blockaden führen zu Versorgungsengpässen
Seit mehreren Wochen ist La Paz von der Außenwelt weitgehend abgeschnitten. Lebensmittel, Treibstoff und Medikamente gelangen nur noch über eine provisorische Luftbrücke in die Stadt. An Tankstellen bilden sich kilometerlange Schlangen. Viele Anwohner campieren tagelang in ihren Fahrzeugen, um an Benzin oder Diesel zu kommen. Die Stimmung in der Bevölkerung ist gereizt. Die Regierung in La Paz hat angedroht, das Militär zur Räumung der Blockaden einzusetzen. Bislang zögert sie jedoch, um eine Eskalation der Gewalt zu vermeiden.
Hintergrund der Proteste
Die indigenen Gemeinschaften, die vor allem im ländlichen Hochland Boliviens leben, fühlen sich von der Zentralregierung vernachlässigt. Sie fordern eine stärkere Beteiligung an politischen Entscheidungen und den Schutz ihrer traditionellen Landrechte. Die aktuellen Reformen sehen unter anderem die Privatisierung von Land und die Förderung von Agrarindustrie vor, was die Existenz vieler Kleinbauern bedroht. Die Protestbewegung wird von mächtigen indigenen Organisationen wie dem „Consejo Nacional de Ayllus y Markas del Qullasuyu“ (CONAMAQ) angeführt.
Die Blockade von La Paz ist die bislang schärfste Aktion in einer Serie von Protesten, die seit Monaten das Land erschüttern. Die Regierung wirft den Demonstranten vor, die demokratische Ordnung zu gefährden. Doch die Anführer der Bewegung geben sich kompromisslos: Sie werden die Blockaden erst aufheben, wenn die Regierung ihre Reformpläne zurücknimmt.
International wächst die Sorge vor einer humanitären Krise. Die Vereinten Nationen und die Organisation Amerikanischer Staaten haben zur Deeskalation aufgerufen. Bislang lehnt die bolivianische Regierung jedoch Verhandlungen unter internationaler Vermittlung ab. Präsident Arce betont, dass sein Land souverän sei und die Probleme selbst lösen werde. Ob das gelingt, ist fraglich – denn die Macht der Indigenen ist in Bolivien nicht zu unterschätzen.



