Ein schweres Erdbeben der Stärke 7,1 hat am Dienstag die japanische Insel Kyushu erschüttert. Das Epizentrum lag vor der Küste der Präfektur Kumamoto in einer Tiefe von etwa 30 Kilometern. Die japanische Wetterbehörde gab umgehend eine Tsunami-Warnung für die Präfekturen Kumamoto und Miyazaki heraus. Die Warnung sah Wellenhöhen von bis zu einem Meter vor.
Rund 40.000 Haushalte waren nach dem Beben ohne Strom, wie der regionale Energieversorger Kyushu Electric Power mitteilte. Der Bahnbetreiber JR Kyushu stellte den gesamten Zugverkehr auf der Insel ein, einschließlich der Shinkansen-Hochgeschwindigkeitszüge. Zahlreiche Straßen wurden aufgrund von Erdrutschen und Gebäudeschäden gesperrt. Die Behörden riefen die Bewohner der Küstengebiete auf, sich umgehend in höher gelegene Regionen zu begeben.
Die japanische Regierung richtete einen Krisenstab ein, um die Lage zu überwachen und Hilfsmaßnahmen zu koordinieren. Der Regierungschef appellierte an die Bevölkerung, Ruhe zu bewahren und den Anweisungen der Behörden Folge zu leisten. Erste Berichte der Polizei und Feuerwehr deuten auf zahlreiche eingestürzte Gebäude und Verletzte hin, genauere Angaben lagen zunächst nicht vor.
Betroffenheit der Technologieindustrie
Besondere Sorge gilt den Produktionsstätten großer Technologiekonzerne in der Region Kumamoto. Der weltgrößte Chip-Auftragsfertiger TSMC betreibt dort eine hochmoderne Fabrik, die erst im Februar 2024 eröffnet wurde. Auch der japanische Elektronikkonzern Sony hat mehrere Werke in der Umgebung. Ein Sony-Sprecher sagte, man prüfe derzeit die Lage in den Fabriken und die möglichen Auswirkungen auf die Chip-Produktion. Von TSMC lag zunächst keine Stellungnahme vor. Die Unternehmen sind bedeutende Akteure in der globalen Halbleiter-Lieferkette, und ein längerer Produktionsausfall könnte Engpässe bei wichtigen Elektronikkomponenten auslösen.
Die japanische Atomaufsichtsbehörde teilte mit, dass es in den Kernkraftwerken der Region keine Unregelmäßigkeiten gegeben habe. Besonders im Fokus stand das Kernkraftwerk Sendai in der Präfektur Kagoshima, das nur etwa 100 Kilometer vom Epizentrum entfernt liegt. Die Betreiberfirma Kyushu Electric Power bestätigte den sicheren Betrieb aller Reaktoren. Seit der Fukushima-Katastrophe 2011 wurden die Sicherheitsstandards für japanische Atomkraftwerke deutlich verschärft.
Historischer Kontext: Das Erdbeben von 2016
Die Region Kumamoto wurde bereits vor zehn Jahren von einem schweren Erdbeben heimgesucht. Im April 2016 ereignete sich ein Beben der Stärke 7,3, das massive Zerstörungen verursachte. Dutzende Menschen kamen damals ums Leben, und Zehntausende mussten in Notunterkünften untergebracht werden. Die historische Burg von Kumamoto, eine der bekanntesten Burgen Japans, erlitt schwere Schäden. Teile der Burgmauern stürzten ein, und die Restaurierung zog sich über mehrere Jahre hin.
Das aktuelle Erdbeben der Stärke 7,1 erinnert an die anhaltende Erdbebengefährdung Japans. Das Land liegt auf dem Pazifischen Feuerring, einer geologisch äußerst aktiven Zone, in der tektonische Platten aufeinandertreffen. Japan verfügt über eines der fortschrittlichsten Frühwarnsysteme der Welt, das bei Erdbeben Sekunden vor den starken Erschütterungen warnt. Dennoch bleiben solche Naturkatastrophen eine ernste Bedrohung für Leben und Infrastruktur.
Aktuelle Lage und Ausblick
Die Tsunami-Warnung wurde nach einigen Stunden aufgehoben, nachdem keine größeren Wellen beobachtet wurden. Die Arbeiten zur Wiederherstellung der Stromversorgung und der Verkehrswege laufen auf Hochtouren. Rettungskräfte durchkämmen die Trümmer eingestürzter Gebäude nach Überlebenden. Die genaue Zahl der Verletzten wird noch ermittelt, aber die Behörden rechnen mit einer steigenden Zahl, sobald die Such- und Rettungsarbeiten abgeschlossen sind. Experten warnen vor Nachbeben, die in den kommenden Tagen weitere Schäden verursachen könnten.
Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Bebens sind noch nicht abzusehen. Die Aktienkurse japanischer Technologieunternehmen gaben im Handelsverlauf nach, insbesondere TSMC und Sony verzeichneten Kursverluste. Die US-Notenbank und die japanische Zentralbank beobachten die Lage genau, da eine Beeinträchtigung der Chip-Produktion globale Auswirkungen haben könnte. Die kommenden Tage werden zeigen, wie stark die Industrieregion Kumamoto getroffen wurde.



