Erdgaspreis steigt nach Eskalation zwischen USA und Iran
Der europäische Erdgaspreis ist infolge der erneuten militärischen Eskalation zwischen den USA und Iran deutlich gestiegen. Am Mittwoch notierte der richtungweisende Terminkontrakt TTF (Title Transfer Facility) für die Lieferung im September an der Börse in Amsterdam bei 49,27 Euro je Megawattstunde (MWh). Das entspricht einem Anstieg von 5,8 Prozent im Vergleich zum Vortag. Auslöser war die Zuspitzung des Konflikts, nachdem US-Präsident Donald Trump die Waffenruhe für beendet erklärt hatte.
Hintergrund der Preisentwicklung
Bereits vor Trumps Aussagen war der Erdgaspreis gestiegen. Die USA hatten als Reaktion auf Angriffe gegen einen katarischen LNG-Tanker in der Straße von Hormus Dutzende Ziele in Iran attackiert und Sanktionen gegen iranisches Öl wieder in Kraft gesetzt. Irans Militär kündigte Medienberichten zufolge Vergeltungsmaßnahmen an. Kurz darauf meldete die Armee des mit den USA verbündeten Kuwait feindlichen Beschuss. Am Dienstag war der TTF-Preis bereits nach iranischen Angriffen auf Tanker gestiegen, nachdem er am Montagabend noch bei rund 44 Dollar gelegen hatte. Der aktuelle Preis liegt jedoch unter dem Höchststand von Mitte März, als er über 60 Dollar gestiegen war. Vor Beginn des Irankriegs lag der Preis bei etwa 30 Dollar. Der Konflikt hat die LNG-Produktion in Katar stark beeinträchtigt und den Transport durch die Straße von Hormus deutlich reduziert.
Sorgen um niedrige Gasspeicher in Europa
Die ohnehin geringen Füllstände der europäischen Gasspeicher verstärken die Nervosität an den Märkten. „Die LNG-Importe in Europa sind zurückgegangen, da Asien angesichts von Versorgungsengpässen im Nahen Osten zunehmend auf den Spotmarkt zurückgegriffen hat“, schrieben die Strategen Warren Patterson und Ewa Manthey von der ING Groep NV in einer Analyse. „Die jüngste erneute Eskalation verstärkt die Sorgen hinsichtlich einer angespannten Versorgungslage, da Europa sich der Heizperiode nähert.“ Die Kombination aus geopolitischen Spannungen und knappen Speichern könnte die Preise weiter in die Höhe treiben.



