Himbeere, Kirsche, Pflaume: Was an vielen deutschen Frühstückstischen Marmelade genannt wird, war nach EU-Recht bislang streng genommen Konfitüre. Damit ist jetzt Schluss. Die EU hat ihre sogenannte „Frühstücksrichtlinie“ geändert, und Deutschland setzt dies nun national um.
Neue Verordnung des Bundesagrarministeriums
Wer im Supermarkt zur Himbeermarmelade griff, bekam es bislang mit der Brüsseler Bürokratie zu tun – zumindest auf dem Etikett. Nach EU-Regeln durften nur Brotaufstriche mit Zitrusfrüchten offiziell „Marmelade“ heißen, alles andere war „Konfitüre“. Jetzt lockern die Staaten die Vorgaben: Auch Aufstrich aus anderem Obst darf künftig als Marmelade verkauft werden. Das sieht eine Verordnung des Bundesagrarministeriums vor, mit der eine EU-Richtlinie national umgesetzt wird. Die EU hatte die „Frühstücksrichtlinie“ vor zwei Jahren geändert.
Doch Achtung: Um Verwechslungen mit Marmelade etwa aus Erdbeeren oder Aprikosen zu vermeiden, muss Marmelade aus Zitrusfrüchten gemäß EU-Recht jetzt „Zitrusmarmelade“ genannt werden. Das Wort Zitrus darf durch den Namen der jeweils verwendeten Frucht ersetzt werden.
Bisherige Marmeladen-Regelung geht auf Briten zurück
Die ursprüngliche Festlegung beruht auf einem Verhandlungserfolg aus Großbritannien, wo Marmelade traditionell nur aus Zitrusfrüchten hergestellt wird. Vor rund fünf Jahrzehnten hatten die Briten gefordert, dass nur Marmelade aus Zitrusfrüchten auch so heißen dürfe, und hatten damit in gewisser Hinsicht Erfolg. Laut der 1979 erlassenen EU-Richtlinie 79/693/EWG beziehungsweise deren Neufassung 2001/113/EG „über Konfitüren, Gelees, Marmeladen und Maronenkrem für die menschliche Ernährung“ durften nur Brotaufstriche Marmelade genannt werden, die mindestens 20 Prozent Zitrusfruchtanteil enthalten; dazu zählten Pülpe, Fruchtmark, Saft, wässriger Auszug, Schale.
Anlässlich der Vorbereitungen für den Brexit hatte Jakob von Weizsäcker (SPD), heute Finanzminister des Saarlands und damals Mitglied im EU-Parlament, 2017 dann vorgeschlagen, dass Marmelade nach dem EU-Austritt der Briten auch wieder so heißen dürfe. Marmelade wieder Marmelade nennen zu dürfen, könne dabei helfen, vielen EU-Bürgern den bitteren Nachgeschmack des Brexits etwas zu versüßen, schrieb der SPD-Politiker in einer schriftlichen Anfrage an die EU-Kommission. Seit Sonntag ist dieser Vorschlag Wirklichkeit geworden.



