Während in Spanien und Frankreich gewaltige Waldbrände wüten und Hunderttausende Menschen ihre Häuser verlassen müssen, zeigt sich Griechenland in diesem Sommer bislang vergleichsweise glimpflich. Das liegt nicht allein an den Wetterbedingungen, sondern vor allem an einem grundlegenden Umbau des Katastrophenschutzes. Das Land investiert massiv in Prävention und Früherkennung – und setzt dabei modernste Technologien ein.
Historische Brandkatastrophen als Lehre
Griechenland wurde in den vergangenen Jahren immer wieder von verheerenden Waldbränden heimgesucht. 2007 starben auf der Halbinsel Peloponnes 67 Menschen. Die Katastrophe von Mati im Juli 2018 forderte 104 Todesopfer, als ein Feuersturm den Küstenort östlich von Athen überrollte. Warnungen kamen zu spät, Evakuierungen unterblieben, Behörden versagten. 2021 verbrannten auf der Insel Euböa mehr als 50.000 Hektar Wald und landwirtschaftliche Flächen. Zwei Jahre später vernichtete ein Großbrand im Evros-Delta rund 93.000 Hektar – das bislang größte zusammenhängende Feuer in der EU.
Zwei Milliarden Euro für den Brandschutz
Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis hat den Waldbrandschutz zur Chefsache erklärt. Seit 2019 investiert seine konservative Regierung rund zwei Milliarden Euro in den Ausbau des Katastrophenschutzes. In diesem Sommer stehen 18.804 Feuerwehrleute mit 4.300 Einsatzfahrzeugen bereit. Hinzu kommen 21 speziell ausgebildete Forst-Kommandos mit 1.450 Einsatzkräften, die Brände bereits im unwegsamen Gelände eindämmen sollen. Die Flotte aus 85 Löschflugzeugen und Hubschraubern wurde ebenfalls verstärkt.
Satelliten und Drohnen: Früherkennung aus dem All
Eine Schlüsselrolle spielt die Früherkennung. Mehr als 100 Drohnen mit Wärmebildkameras überwachen gefährdete Gebiete. Erstmals setzt Griechenland zudem auf ein satellitengestütztes Frühwarnsystem: Das „Hellenic Fire System“ umfasst vier im Mai gestartete Satelliten, die rund um die Uhr Echtzeitdaten liefern. Die Kameras erfassen auch überhitzte Solarpaneele oder heiße Fabrikdächer, doch Künstliche Intelligenz filtert solche Fehlalarme heraus. Entwickelt wurde das System vom Münchner Start-up Orora Tech gemeinsam mit der Europäischen Weltraumorganisation Esa. Griechenland ist nach Unternehmensangaben das erste Land, das eine eigene Satellitenkonstellation vollständig in den staatlichen Waldbrandschutz integriert.
Zentrale Organisation und Koordination
Anders als viele europäische Länder untersteht der Katastrophenschutz in Griechenland der Zentralregierung in Athen. Feuerwehr, Polizei und Zivilschutz werden von einem hochmodernen Lagezentrum aus koordiniert, das rund um die Uhr besetzt ist. Im Zentrum des Ministeriums für Klimakrise und Zivilschutz laufen Daten von Feuerwehr, Drohnen, Satelliten und Wetterdiensten zusammen. Von hier werden Einsätze gesteuert und Verstärkungen innerhalb kurzer Zeit in andere Landesteile verlegt.
Herausforderungen bleiben trotz Fortschritten
Trotz aller Investitionen gibt es weiterhin Schwachstellen. Viele staatliche Wälder werden nicht ausreichend gepflegt, auch Ländereien der orthodoxen Kirche verwildern. Trockenes Unterholz und fehlende Forstwege erschweren die Brandbekämpfung. Daher baut Griechenland seine Löschflugzeugflotte weiter aus – sieben neue Wasserbomber des Typs DHC-515 sollen ab 2028 ausgeliefert werden. Rund 90 Prozent der Brände werden nach Angaben der Feuerwehr von Menschen verursacht, teils fahrlässig, teils vorsätzlich. Die Regierung hat die Strafen für Brandstiftung drastisch verschärft: Mindestens zehn Jahre Haft und hohe Geldstrafen drohen.
Bewährungsprobe steht noch bevor
Im Ministerium für Klimakrise und Zivilschutz zeigt man sich vorsichtig optimistisch. Die neue Strategie habe sich bislang bewährt. Doch die Waldbrandsaison ist nicht vorbei. Der August gilt wegen hoher Temperaturen und der oft stürmischen Meltemi-Winde als gefährlichster Monat. Die eigentliche Feuerprobe könnte Griechenland also noch bevorstehen.



