Beim WM-Finale in East Rutherford, New York, stand die politische Eiszeit zwischen US-Präsident Donald Trump und Spanien im Mittelpunkt. Nach dem 125-minütigen Spiel, das Spanien zum Weltmeister krönte, zeigte sich Trump hinter der Glaswand der Ehrenloge regungslos und sprachlos neben Ehefrau Melania und Fifa-Chef Gianni Infantino. Während der Siegerehrung wechselte er kaum ein Wort mit dem spanischen König Felipe und Königin Letizia.
Trumps scharfe Kritik an Spanien
Der Hintergrund des frostigen Verhältnisses: Trump hatte Spanien in den vergangenen Monaten wiederholt scharf angegriffen. Sein Hauptvorwurf: Madrid weigere sich, die Nato-Verteidigungsausgaben auf fünf Prozent der Wirtschaftsleistung zu erhöhen. „Spanien ist furchtbar“, schimpfte Trump bereits im März. „Ich habe Scott (Finanzminister Bessent) gesagt, er solle den Handel mit Spanien komplett kippen.“ Er ergänzte: „Spain has absolutely nothing that we need other than great people. They have great people, but they don’t have great leadership.“
Drohung mit Handelsboykott
Anfang Juli drohte Trump Spanien offen mit wirtschaftlichen Konsequenzen: „We’re going to cut off all trade with Spain. We don’t want anything to do with Spain.“ Zudem brachte er Strafzölle ins Spiel: „Ich habe darüber nachgedacht, sie mit Zöllen zu bestrafen.“ Den Gipfel der Eskalation erreichte Trump, als er Spanien „absolut schrecklich“ nannte.
Symbolträchtige Distanz im Stadion
Im Stadion wurde die Distanz deutlich: Während der Siegerehrung standen Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum und Kanadas Premier Mark Carney zwischen Trump und dem spanischen König. Selbst als Trump dem argentinischen Star Lionel Messi gratulieren wollte, ging dieser schnell zu Sheinbaum weiter. Die spanischen Fans hingegen feierten ausgelassen: „¡Que viva España!“ hallte durch das Stadion, während die argentinischen Anhänger enttäuscht schwiegen.
Streitpunkt Nato-Finanzierung
Auslöser des Konflikts ist Spaniens Weigerung, das von Trump geforderte Fünf-Prozent-Ziel der Nato zu erfüllen. „Es ist das einzige Land, das seinen Anteil nicht auf fünf Prozent erhöht hat. Alle anderen Nato-Staaten haben ihren Anteil erhöht. Und Spanien profitiert sehr von uns. Deshalb bin ich mit Spanien nicht zufrieden“, wetterte Trump. Er bezeichnete Spaniens Verhalten als „a very bad thing“ und „very unfair“.
Das WM-Finale wurde so zum Sinnbild der Eiszeit zwischen den USA und einem europäischen Verbündeten. Trump musste ausgerechnet die Mannschaft seines Lieblingsfeindes in Europa zum Weltmeister küren – und zeigte dies durch eisiges Schweigen deutlich.



