Erstmals hat die Europäische Union eine Delegation der afghanischen Taliban-Regierung in Brüssel empfangen. Die Gespräche auf technischer Ebene am Dienstag drehten sich um die Abschiebung von afghanischen Staatsbürgern aus EU-Mitgliedstaaten. Ein Sprecher der EU-Kommission bestätigte der Nachrichtenagentur dpa, dass es um die Rückführung von Afghanen in ihre Heimat gehe.
Hintergrund der Gespräche
Die Taliban-Regierung in Kabul wird von der EU offiziell nicht anerkannt. Dennoch reisten die afghanischen Diplomaten auf Einladung der EU-Kommission nach Brüssel. Ziel sei es, irreguläre Einwanderung in die EU zu verhindern und Abschiebungen für die Mitgliedstaaten zu erleichtern, wie eine mit dem Besuch vertraute Quelle der AFP mitteilte. Der einwöchige Besuch der Delegation stieß bei Menschenrechtsorganisationen auf scharfe Kritik.
Politische Brisanz
Rund 20 EU-Staaten streben trotz der fehlenden Anerkennung der Taliban Abschiebungen nach Afghanistan an. Deutschland hat seit 2024 bereits mehr als 100 Afghanen abgeschoben, obwohl auch die Bundesregierung die Taliban nicht als legitime Regierung anerkennt. In den kommenden Tagen sollen bis zu vier weitere Taliban-Diplomaten nach Deutschland reisen, um die Abschiebungen zu forcieren.
Reaktionen und Kritik
Menschenrechtsvertreter verurteilten den Besuch scharf. Sie argumentieren, dass Abschiebungen nach Afghanistan angesichts der dortigen Menschenrechtslage unverantwortlich seien. Die Taliban hatten nach ihrer Machtübernahme im August 2021 ein strenges islamisches Regime errichtet und drakonische Gesetze erlassen. Die EU-Kommission verteidigte die Gespräche als notwendig, um praktische Fragen der Migration zu klären.



