Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg warnt vor drohenden Zwangsverheiratungen in den Sommerferien und ruft Schulen sowie Freizeiteinrichtungen zu erhöhter Wachsamkeit auf. Insbesondere Mädchen, aber auch Jungen könnten betroffen sein, wenn sie während einer Auslandsreise mit ihrer Familie unter Druck gesetzt oder gegen ihren Willen zur Heirat gedrängt werden.
Frühwarnzeichen erkennen
Äußern Jugendliche Sorgen oder Ängste im Zusammenhang mit einer geplanten Reise, kann dies auf eine bevorstehende Zwangsverheiratung hindeuten. Viele Betroffene hätten bereits vor der Abreise eine Vorahnung, trauten sich jedoch oft erst spät, jemanden anzusprechen, teilt das Bezirksamt mit. Weitere Anzeichen können eine verstärkte Kontrolle durch die Familie, der Rückzug der Jugendlichen oder die Andeutung, nicht reisen zu wollen, sein.
Rechtliche Einordnung
Zwangsverheiratung ist eine schwere Menschenrechtsverletzung und seit 2011 ein eigener Straftatbestand in Deutschland. Im Ausland geschlossene Ehen mit Minderjährigen werden hierzulande nicht anerkannt, betont das Bezirksamt.
Handlungsempfehlungen für Fachkräfte
Fachkräften wird geraten, das Anliegen ernst zu nehmen und gemeinsam mit der betroffenen Person eine Beratungsstelle einzuschalten. Dazu gehören das Jugendamt, der Kindernotdienst (030 61 00 61), der Jugendnotdienst (030 61 00 62) oder der Mädchennotdienst (030 61 00 63). Die Beratung kann auch anonym erfolgen.
Schutzmaßnahmen für Betroffene
Sollte die betroffene Person trotz der Gefahr mit der Familie reisen, sollte sie Bargeld, Kopien des Passes und des Rückflugtickets versteckt bei sich haben, ebenso ein Handy und die Adressen der Deutschen Botschaft. Kopien der Dokumente und die Zieladresse sollten zudem bei einer Vertrauensperson in Berlin hinterlegt werden.
Dokumentation der Angst vor Zwangsverheiratung
Die Organisation Papatya, die bei familiärer Gewalt, Zwangsverheiratung und Verschleppung hilft, empfiehlt zusätzlich zur genauen Zieladresse, eine eidesstattliche Erklärung der betroffenen Person zu hinterlegen, dass sie nach Deutschland zurückkehren möchte und Angst vor einer Zwangsverheiratung hat.
Vorgehen bei Nichtrückkehr
Wenn eine betroffene Person nach den Ferien nicht zurückkehrt, sollte umgehend eine spezialisierte Beratungsstelle wie Papatya eingeschaltet werden. Verschleppte Mädchen seien manchmal von jeder Möglichkeit abgeschnitten, Hilfe zu suchen. Sie seien dringend darauf angewiesen, dass jemand ihr Fehlen bemerkt und Alarm schlägt, heißt es auf der Seite der Organisation.



