Schwuler Katarer vor WM-Spiel: „Ich werde den ganzen Tag von Sicherheitspersonal begleitet“
Nas Mohamed, der aus Katar floh, weil er schwul ist, und heute in San Francisco lebt, steht vor einem emotionalen Moment: Sein Heimatland spielt bei der WM in den USA gegen die Schweiz. Vor dem ersten Spiel sprach er über seine Gefühle, seinen geplanten Protest im Stadion und die Sicherheitsvorkehrungen.
„Es gibt einen wütenden Teil in mir, einen verletzten, einen ängstlichen und einen traurigen“, sagt Mohamed. Dass die katarische Nationalmannschaft ausgerechnet im Pride-Monat in San Francisco spielt, belastet ihn. Dennoch versucht er, sich nicht von seinen Emotionen leiten zu lassen. Katar kriminalisiert Homosexualität, und Mohamed ist der einzige öffentlich schwule Katarer. In San Francisco wird er für seine Offenheit gefeiert, doch in Katar weiß man genau, wer er ist.
Mohamed wird das Spiel im Stadion verfolgen – begleitet vom kalifornischen Senator Scott Weiner, der offen schwul und jüdisch ist. Zudem plant er ein modisches Statement: Er trägt einen traditionellen Bisht, den er mit Freunden in San Francisco genäht hat. Der Umhang ist goldfarben und mit den Worten „Liebe“ und „Freiheit“ bestickt, das Futter zeigt Regenbogenfarben – eine Anspielung auf den Bisht, den Lionel Messi beim WM-Finale 2022 vom katarischen Emir erhielt.
Auf mögliche negative Reaktionen der Fans reagiert Mohamed gelassen: „Wenn im Garten eine Blume blüht, ärgern sich die Leute, weil sie diese Pflanze gar nicht im Garten haben wollten. Ich sage: Ihr könnt die Blume nicht mögen, aber ich werde bleiben, wie ich bin.“ Fußball bedeutet für ihn Gemeinschaft und Verbindung – genau deshalb schmerze es, wenn man im Stadion nicht willkommen sei.
Mit Blick auf die verschlechterte Lage queerer Menschen in Teilen der USA unter Präsident Trump betont Mohamed: „Wir brauchen das Rampenlicht der WM genau jetzt. Wir müssen dort stehen, wo der Wandel stattfindet, wo es unbequem ist.“ Die katarischen Fans im Stadion seien von der Regierung ausgewählt und angewiesen worden, sich zurückzuhalten. Sie erlebten in San Francisco einen Kulturschock.
Mohamed steht in Kontakt mit zwei weiteren queeren Katarern, die ebenfalls nach San Francisco geflohen sind. Die USA seien ein Zufluchtsort für politisch Verfolgte, doch nun kämen die Herkunftsländer hierher, um Fußball zu spielen. Die Sicherheitsvorkehrungen seien streng: „Ich werde den ganzen Tag von Sicherheitspersonal begleitet. Der Transport zum Stadion wird von der US-Regierung organisiert“, erklärt er.



