Social-Media-Verbot für Kinder: Experten legen Empfehlungen vor
Social-Media-Verbot für Kinder: Experten empfehlen

Eine Expertenkommission zum Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt übergibt heute ihre Handlungsempfehlungen an Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU). Die Kommission unter Vorsitz von Olaf Köller hatte monatelang beraten, ob und wie soziale Netzwerke für Kinder und Jugendliche eingeschränkt werden sollten. Bereits in einem Zwischenbericht hatte Köller vor zu simplen Verboten gewarnt: „Es ist zu kurz gesprungen, nur über Altersbeschränkungen nachzudenken.“ Das Smartphone sei zentraler Zugang zu Kommunikation, Unterhaltung, Information und sozialer Einbindung. Besonders für queere Jugendliche seien soziale Medien wichtige digitale Räume. Köller plädierte dafür, „Schutz und Teilhabe“ zu verbinden.

Risiken und Nutzungsverhalten junger Menschen

Die Kommission hatte die Risiken in einem Zwischenbericht detailliert benannt. Demnach nutzen etwa eine Million Jugendliche digitale Medien auf problematische Weise, rund 300.000 zeigen Suchtverhalten. Zu den Gefahren zählen schädliche Inhalte wie Pornografie, Hass und Extremismus, aber auch Mobbing, falsche Psychotipps und Cybergrooming. In einer EU-weiten Umfrage gaben 18 Prozent der 13- bis 18-Jährigen negative Auswirkungen durch soziale Netzwerke an, während 36 Prozent der Eltern solche Folgen sahen. Rund 48 Prozent der jungen Leute vermuteten positive Effekte. Die Kommission mahnte daher, nicht nur Risiken zu sehen, sondern auch die Chancen digitaler Medien für die Identitätsentwicklung.

Positionen in der schwarz-roten Koalition

In der Regierungskoalition aus CDU, CSU und SPD gibt es unterschiedliche Auffassungen. Die CDU fordert per Parteitagsbeschluss eine gesetzliche Altersgrenze von 14 Jahren für soziale Netzwerke und will das „besondere Schutzbedürfnis bis zum 16. Lebensjahr im digitalen Raum“ ausgestalten. Die SPD verlangt in einem Impulspapier ein Social-Media-Verbot für Kinder unter 14 Jahren, eine verpflichtende Altersprüfung mittels der EUDI-Wallet-App (Start Januar) und eine „Jugendversion“ von Plattformen für 14- bis 16-Jährige. Die CSU zeigt sich skeptischer: Parteichef Markus Söder argumentierte, das Verbot in Australien nütze nichts. CSU-Politikerin Anja Weisgerber schlug „variable Altersgrenzen“ für unterschiedliche Plattformen vor.

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Internationale Vorbilder: Australien, Großbritannien, Frankreich

Australien führte Ende 2025 als erstes Land ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige ein. Die Bilanz nach einem halben Jahr ist gemischt. Viele Eltern berichten von einem entspannteren Alltag; eine Mutter aus Melbourne sagte: „Funktioniert die Gesetzgebung hundertprozentig? Nein. Lohnt sie sich? Ja, ich finde schon.“ Jugendliche hingegen umgehen das Verbot leicht, etwa durch neue Accounts. Auch Behörden räumen Durchsetzungsschwierigkeiten ein. Großbritannien plant ein Verbot für unter 16-Jährige ab Anfang 2027 für Apps wie Snapchat, TikTok, YouTube, Instagram, Facebook und X, nicht aber für Messengerdienste wie WhatsApp und Signal. Griechenland will Kinder unter 15 Jahren ab 2027 komplett ausschließen. Frankreich, Spanien, Dänemark, Tschechien und Österreich prüfen ähnliche Ansätze.

EU-Ebene und Ausblick

Die EU selbst plant kein generelles Verbot. Das EU-Parlament sprach sich für ein Mindestalter von 16 Jahren aus, wobei Jugendliche ab 13 Jahren unter elterlicher Aufsicht zugreifen könnten – der Beschluss ist jedoch nicht bindend. Die EU-Kommission erwartet für den 13. Juli Empfehlungen einer eigenen Expertengruppe. Familienministerin Prien will sich vor den Kommissionsempfehlungen nicht festlegen, deutete aber Altersbeschränkungen an. Sie betonte die Notwendigkeit, Plattformen gesetzlich in die Pflicht zu nehmen, und plädierte für einen ganzheitlichen Ansatz mit Einbeziehung von Jugendlichen, Eltern, Schulen, Lehrern und Ärzten. „Je älter Kinder und Jugendliche werden, umso stärker kann man sie in die Lage versetzen, sich selber zu schützen“, so Prien. Die endgültigen Empfehlungen der Kommission werden heute Mittag erwartet.

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