Historische Waldbrände in Frankreich und Spanien: Ursachen und Folgen
Historische Waldbrände in Frankreich und Spanien

In Spanien wütet der größte Waldbrand in der jüngeren Geschichte des Landes. In Frankreich erreichen die Feuer mit etwa 100.000 Hektar verbrannter Fläche seit Jahresbeginn einen historischen Rekordwert. Dabei ist die Waldbrand-Saison noch lange nicht vorbei – eigentlich beginnt sie im August erst richtig. Dies wirft Fragen zu den Ursachen und der weiteren Entwicklung auf.

Warum sind die Waldbrände in Frankreich und Spanien so gewaltig?

Ein entscheidender Faktor waren die starken Niederschläge im Januar und Februar. Damals brachen mehrere Winterstürme über die beiden Länder herein, die Felder überschwemmten, Autos fortrissen und Strommasten umstürzten. „Nach feuchten Wintern gibt es in Südwesteuropa beste Wachstumsbedingungen für die Pflanzen“, erklärt die Klimawissenschaftlerin Julia Miller vom Schweizerischen WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF. Gräser, Sträucher und Unterholz schossen in die Höhe. „Durch die dann folgenden zwei Hitzewellen ist die Vegetation ausgetrocknet, weshalb sich Brände schnell und stark ausbreiten können, sobald eine Zündquelle auftritt.“

Die Kombination aus üppigem Pflanzenwuchs und extremer Trockenheit schafft ideale Bedingungen für die Feuer. Hinzu kommt, dass die Böden nach den heftigen Regenfällen zwar zunächst nass waren, die anschließende Hitze jedoch die Feuchtigkeit rapide entzog. Selbst tiefere Bodenschichten trockneten aus, was die Löschversuche erschwert.

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Was steht Südwesteuropa noch bevor?

„Jede weitere Hitzewelle macht die Situation nicht besser“, warnt Miller, die unlängst eine Studie zu sich gegenseitig verstärkenden Waldbrandrisiken veröffentlichte. Sie veranschaulicht die Lage mit einer Skizze: „Eine Sonne mit einem Strohhalm, mit dem sie die Feuchtigkeit aus Boden und Pflanzen zieht.“ Je wärmer es sei, desto mehr Feuchtigkeit könne die Atmosphäre aufnehmen und desto schneller entziehe sie Seen, Flüssen, Pflanzen und Boden das Wasser. Nach Daten des Waldbrand-Informationssystems der Europäischen Kommission (EFFIS) ist in Spanien bereits mehr als doppelt so viel Fläche abgebrannt wie im Durchschnitt eines gesamten Jahres, in Frankreich sogar mehr als die fünffache Fläche.

Miller erwartet, dass in den kommenden Wochen weitere schlimme Waldbrände folgen. „Wir bräuchten Feuchtigkeit in der Vegetation und im Boden, damit sich Waldbrände weniger schnell ausbreiten können.“ Doch unter den derzeitigen Bedingungen wachse nichts nach. Selbst kurze Regenschauer würden nur die Oberfläche anfeuchten. „Wenn es weiter so heiß und trocken bleibt, kann man vorerst nicht mit Entspannung rechnen.“ Die französische Regierung unter Präsident Macron meldet zwar Teilerfolge bei der Bekämpfung, doch die Lage bleibt angespannt.

Wie stark trägt der Klimawandel zu der Eskalation bei?

Eine Analyse der World Weather Attribution (WWA) zeigt, dass eine so extreme Bodendürre wie in diesem Jahr in Westeuropa etwa fünfmal wahrscheinlicher ist als ohne die menschengemachte Klimaerwärmung. Niederschlagsdefizite, die früher keine Dürre ausgelöst hätten, führen heute zu Dürrebedingungen. Entscheidend ist nicht allein der Mangel an Regen, sondern vor allem die durch Hitze dramatisch gestiegene Verdunstung.

Derzeit liegt die globale Erwärmung bei etwa 1,4 Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit. „Sollten die globalen Emissionen die Temperaturen wie prognostiziert auf 2,8 Grad Celsius ansteigen lassen, könnten diese intensiven Verdunstungsbedingungen doppelt so wahrscheinlich werden und Dürren wie diese zu einem regelmäßigen Ereignis machen“, sagte Mariam Zachariah vom Imperial College London und der WWA vergangene Woche. Ein Szenario, das selbst Wissenschaftler als „wirklich höllische Welt“ bezeichnen.

Ihr Kollege Theo Keeping warnt zudem vor den unterschätzten Kosten der Brände. „Aus wissenschaftlicher Sicht ist mit Zehntausenden zusätzlichen Todesfällen aufgrund von Rauchbelastung zu rechnen.“ Laut Umweltbundesamt entsteht die wesentliche Gesundheitsgefährdung bei Bränden durch die hohe Feinstaubbelastung. Die Partikel können tief in die Lunge eindringen und Herz-Kreislauf- sowie Atemwegserkrankungen verstärken.

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Was kann man gegen diese Entwicklung tun?

Langfristig sei die Begrenzung des Klimawandels zentral, betont Forscherin Miller. Doch klar sei, dass sich die Feuerwetterlage in den kommenden Jahren weiter verschlimmere. „Deswegen müssen wir auf jeden Fall auch stärker auf Waldbrandmanagement und Landmanagement setzen.“ Das Wissenschaftsnetzwerk EASAC, ein Verbund der Nationalakademien der EU, forderte bereits im vergangenen Jahr eine veränderte Brandbekämpfung. Wichtig sei es nicht nur, gegen die Feuer vorzugehen, sondern die Bedingungen zu vermeiden, die ein unkontrolliertes Ausbreiten begünstigen – etwa durch verbesserte Landschaftsplanung.

In Spanien beklagen Fachleute zudem, dass Wälder vielerorts nicht mehr ausreichend gepflegt würden, wodurch sich große Mengen brennbaren Materials ansammeln. „Das Hauptproblem ist, dass wir den Wald nicht mehr pflegen“, betont Forstexperte Paco Castañares in der Zeitung „El Español“. Auch die Landflucht ist ein Problem: Weil viele Menschen in die Städte ziehen und Dörfer leerstehen, werden landwirtschaftliche Flächen aufgegeben und Weiden nicht mehr abgegrast. Die Verbuschung nimmt dadurch zu, was die Brandlast erhöht.

Müssen solche Brände auch in Deutschland befürchtet werden?

„Im Zuge des Klimawandels werden sich wärmere und trockenere Klimazonen voraussichtlich in Richtung der nördlichen europäischen Breiten ausdehnen“, heißt es in einer im Dezember veröffentlichten Studie im Fachjournal „Communications Earth and Environment“. Dies verstärke die Brandbedingungen und erhöhe die Menge an trockenem Brennmaterial, wodurch das Risiko großer Waldbrände auch in Deutschland steige. Insbesondere für die Einzugsgebiete von Donau, Main und Elbe zeigt eine weitere Studie: Die Waldbrandgefahr nimmt im Laufe des Jahrhunderts überall deutlich zu – vor allem aber im Einzugsgebiet des Mains und in den östlichen bayerischen Mittelgebirgen. „Dort wird eine hohe Waldbrandgefahr bis zum Ende des Jahrhunderts zum Normalzustand.“

Die aktuellen Ereignisse in Südeuropa sind daher ein Vorbote für Entwicklungen, die künftig auch Mitteleuropa betreffen könnten. Die Kombination aus Klimawandel, Landnutzungsänderungen und unzureichendem Waldmanagement erfordert ein Umdenken – sowohl in der Prävention als auch in der Bekämpfung von Waldbränden.