Europa erwärmt sich rasant – Urlaubsrisiken steigen
Europa erwärmt sich seit den 1980er-Jahren etwa doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt und ist der Kontinent mit der stärksten Erwärmungsrate weltweit. Das hat konkrete Folgen für Millionen Urlauber: Tropische Krankheitserreger dringen nach Norden vor, Badeseen und Küstengewässer verändern sich, und Hitzewellen treffen Städte härter als je zuvor. Experten warnen vor wachsenden Reiserisiken durch den Klimawandel.
Tigermücke breitet sich in Europa aus – Dengue und Chikungunya
Die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus), die Viren wie Dengue und Chikungunya überträgt, breitet sich rasant in Europa aus. Vor zehn Jahren war sie in 114 EU-Regionen nachgewiesen, inzwischen sind es 384 in 16 EU-Ländern, wie die EU-Gesundheitsagentur ECDC im April meldete. Dazu zählt auch der Süden Deutschlands. Im vergangenen Sommer wurde Chikungunya erstmals im Elsass nahe der deutschen Grenze lokal übertragen – die bislang nördlichste dokumentierte Übertragung in Europa. Die Deutsche Fachgesellschaft für Reisemedizin (DFR) rät, Mückenschutz vor allem bei Mittelmeerreisen so selbstverständlich zu verwenden wie Sonnencreme.
Blaualgen in Badeseen – Gefahr durch Cyanobakterien
Die Qualität der Badegewässer hat sich laut EU seit 2010 zwar insgesamt verbessert, doch wärmere Gewässer bieten Cyanobakterien (Blaualgen) ideale Wachstumsbedingungen. Diese bilden Giftstoffe, die bei Hautkontakt reizen und beim Verschlucken zu Übelkeit, Erbrechen und in schweren Fällen zu Leberschäden führen können. Betroffen sind zunehmend auch Badeseen in Deutschland und Mitteleuropa. Bei gesundheitsgefährdenden Konzentrationen erlassen Behörden Warnungen und Badeverbote.
Vibrionen in der Ostsee – Gefahr für Risikogruppen
Die Ostsee erwärmt sich nach Angaben des Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel schneller als die meisten Meeresökosysteme der Welt. Dies begünstigt die Ausbreitung von Vibrionen – Bakterien, die sich bei Wassertemperaturen über 20 Grad Celsius stark vermehren. Für gesunde Menschen ist das Risiko gering, aber ältere Menschen und Personen mit geschwächtem Immunsystem oder offenen Wunden können schwere Wundinfektionen und im schlimmsten Fall eine Blutvergiftung erleiden. Auch die Nordsee ist vereinzelt betroffen, so das Robert Koch-Institut.
Bergtouren in den Alpen werden unberechenbarer
Gletscherschmelze, auftauende Permafrostböden und häufigere Extremwetterereignisse machen Bergtouren unberechenbarer. Der Deutsche Alpenverein warnt, dass Routen, die früher im Sommer problemlos begehbar waren, inzwischen nur noch im Frühjahr oder Herbst sichere Verhältnisse bieten. Felsstürze und Steinschlag nehmen zu, Wetterlagen sind schwerer vorherzusagen. Ältere gedruckte Karten und Wanderführer seien nicht mehr verlässlich.
Städtereisen im Hochsommer: Hitzeinseleffekt gefährdet die Gesundheit
Europäische Metropolen heizen sich durch dichte Bebauung, versiegelte Flächen und wenig Grün stark auf und kühlen nachts kaum ab – der sogenannte Hitzeinseleffekt, beschrieben vom EU-Klimawandeldienst Copernicus. Städte wie Madrid, Athen, Rom und Budapest werden immer häufiger von extremen Hitzeereignissen heimgesucht. Für ältere Menschen, Personen mit Herz-Kreislauf- oder Atemwegserkrankungen, Schwangere und Säuglinge kann das gesundheitsgefährdend sein. Die DFR empfiehlt, Reisezeiten und -ziele anzupassen und Städtetrips vor allem außerhalb der Hochsommermonate zu unternehmen.
Waldbrände: Rauch belastet die Atemwege auch aus der Ferne
Längere Dürreperioden und ausgetrocknete Böden erhöhen die Gefahr großflächiger Waldbrände in Südeuropa und rund ums Mittelmeer, aber auch in Deutschland. Rauch und Feinstaub verunreinigen die Luft weiträumig und belasten die Atemwege selbst in großer Entfernung. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind Kinder, ältere Menschen, Schwangere und Personen mit Herz- oder Lungenerkrankungen besonders gefährdet.
UV-Strahlung: Mehr Sonnenstunden erhöhen Hautkrebsrisiko
Höhere Temperaturen verleiten zu längerem Aufenthalt im Freien, oft ohne ausreichenden Sonnenschutz. Die Zahl der Sonnenstunden hat in vielen Regionen zugenommen, auch in Deutschland. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) verweist auf Aufzeichnungen des Deutschen Wetterdienstes: „Von 1951 bis 2021 hat sich die Anzahl an Sonnenscheinstunden aufs Jahr gesehen im linearen Trend um 132 Stunden erhöht.“ Mehr Sonnenscheinstunden bedeuten mehr Zeit, in der UV-Strahlung ungehindert die Erdoberfläche erreicht, was die individuelle UV-Belastung und damit das Hautkrebsrisiko steigert.



