Mittelmeer so warm wie sonst im August: Klimaforscher warnen vor Extremwetter
Mittelmeer so warm wie sonst im August: Forscher warnen

Zum Sommerbeginn sind die Weltmeere an der Oberfläche so warm wie nie zuvor zu dieser Jahreszeit. Am 21. Juni 2025 lagen die Messungen des EU-Klimaprogramms Copernicus bei 20,86 Grad Celsius und die des Copernicus-Meeresdienstes bei 21,0 Grad – jeweils über den bisherigen Rekordwerten von 20,83 Grad (2023) und 20,9 Grad (2024). Die beiden unabhängigen Messreihen weisen leichte Abweichungen auf, stützen sich aber auf lokale Messungen und Satellitendaten, unter anderem der europäischen Weltraumbehörde ESA.

Rekordwerte durch El Niño verstärkt

Copernicus betonte, der Rekord sei erwartbar gewesen, da in den vergangenen Monaten in mehreren Meeresregionen ungewöhnlich hohe Temperaturen gemessen wurden. Das derzeit auftretende natürliche Klimaphänomen El Niño verstärke den Effekt. Carlo Buontempo, Copernicus-Direktor, erklärte: „Die aktuellen Bedingungen könnten auf den Beginn einer neuen Phase hindeuten, die uns erneut in unbekanntes Terrain führen wird. Angesichts der derzeitigen Meerestemperaturen und des sich abzeichnenden El Niño werden in den kommenden Monaten wahrscheinlich weitere Temperaturrekorde gebrochen werden.“

Ein El Niño, der alle paar Jahre vor allem im äquatornahen Pazifik auftritt, verschärft die Folgen des menschengemachten Klimawandels. Die Auswirkungen sind mit Dürren und Überschwemmungen vor allem auf der Südhalbkugel spürbar, während die direkten Folgen für Europa begrenzt bleiben. Copernicus-Experten gehen jedoch davon aus, dass sowohl in den Meeren als auch in der oberflächennahen Atmosphäre weitere Rekorde fallen könnten. Anders als beim vorherigen Rekord 2024, als der damalige El Niño bereits abklang, wurde in diesem Jahr erst kürzlich der Beginn des Phänomens vermeldet.

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Mittelmeer besonders betroffen: 28 Grad vor Sardinien

Besonders große Temperaturabweichungen gibt es derzeit im Mittelmeer. Die italienische Tageszeitung „la Repubblica“ berichtet unter Berufung auf Copernicus-Daten, dass rund um Sardinien bereits Wassertemperaturen von 28 Grad gemessen werden – sechs Grad mehr als zu dieser Jahreszeit üblich. Normalerweise werden solche Werte nicht vor Mitte August erreicht. Der Physiker und Atmosphärenforscher Massimiliano Pasqui vom Nationalen Forschungsrat Italiens (CNR) warnt vor den Folgen: Treffe eine atlantische Störung auf die heiße und feuchte Luft über dem Mittelmeer, sei mit sehr starken Regenfällen und Hagelstürmen zu rechnen. Dieses Phänomen sei grundsätzlich nicht neu, „doch heute erleben wir es auch Ende Juni, und das ist ziemlich ungewöhnlich“, erläutert Pasqui.

Die Zeitung „Il Messagero“ zitiert Professor Massimiliano Fazzini von der Universität Camerino, der konkrete statistische Szenarien entwickelt hat. Der Klimaforscher erwartet demnach anhaltende Hitzewellen mit extremen Temperaturen – drei- bis sechsmal pro Jahr. Rom leidet bereits jetzt unter einer Hitzewelle.

Ozeane als Wärmespeicher und Verstärker von Extremwetter

Die Ozeane spielen eine Schlüsselrolle für das Weltklima: Sie nehmen den Großteil der durch die menschengemachte Erderwärmung verursachten zusätzlichen Wärme auf. Höhere Ozeantemperaturen halten die Atmosphäre länger warm, erhöhen die Energieansammlung und steigern das Risiko für extreme Stürme, Niederschläge und Überschwemmungen. In den vergangenen drei Jahren lagen die weltweiten Meerestemperaturen außerhalb der Polarregionen zwischen 0,35 und 0,73 Grad über dem langjährigen Durchschnitt.

Die Daten der Plattform „Climate Reanalyzer“ der University of Maine stützen die Copernicus-Messungen. Für den 21. Juni weist die Plattform eine Durchschnittsmeerestemperatur von 20,97 Grad aus; eine Woche später lag der Wert am 28. Juni auf dem gleichen Niveau. Die Universität erfasst seit rund vier Jahrzehnten globale und regionale Tageswerte, die sich ebenfalls auf Satellitenmessungen stützen.

Folgen für Ökosysteme und Meeresspiegel

Die Erwärmung der Ozeane trägt zum Anstieg des Meeresspiegels und zum Abschmelzen des Eises bei und belastet die marinen Ökosysteme zusätzlich. Höhere Meeresoberflächentemperaturen gehen mit häufigeren und intensiveren marinen Hitzewellen einher – Perioden ungewöhnlich hoher Ozeantemperaturen, die Ökosysteme und Fischerei beeinträchtigen sowie extreme Hitzewellen in nahe gelegenen Regionen auslösen oder verstärken können.

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