Nach einer historischen Hitzewelle mit drei aufeinanderfolgenden Temperaturrekorden in Deutschland kündigt der Deutsche Wetterdienst (DWD) eine drastische Wetteränderung an. Ab Montag ziehen von Westen und Südwesten Gewitter auf, die Starkregen, Hagel und Sturmböen mit sich bringen. Die Kaltfront eines Tiefs bei Island sorgt für kühlere und trockenere Luft.
Dritter Hitzerekord in Folge: 41,7 Grad in Coschen
Am Sonntag, den 28. Juni 2026, wurde mit 41,7 Grad in Coschen (Brandenburg) der dritte Rekord in Folge gemessen. Zuvor waren am Freitag 41,3 Grad in Saarbrücken und am Samstag 41,5 Grad in Drewitz (Sachsen-Anhalt) registriert worden. Die Werte sind vorläufig, eine offizielle Bestätigung durch den DWD steht noch aus. Der DWD spricht von einem „Extremereignis“: „Noch nie zuvor seit Beginn der Wetteraufzeichnungen hat es in Deutschland, aber auch in vielen Teilen von Europa, eine solch lange und intensive Hitzewelle so früh im Sommer gegeben.“ In einigen Regionen hielt die Hitzewelle elf Tage an.
Wetterumschwung: Von der Kaltfront zur Unwettergefahr
Der DWD warnt in seinem Warnlagebericht vor mehrstündigem Starkregen, Sturmböen und Hagel. „Teils besteht Unwettergefahr durch Starkregen, Hagel und schwere Sturmböen“, heißt es. Im Osten und Süden bleibt es zunächst schwül und warm, bis die Gewitter in der Nacht zum Dienstag abziehen. Für den Süden werden örtlich kräftige Gewitter erwartet. Bereits am Sonntag hatte der DWD landesweit Unwetterpotential mit heftigem Starkregen, schweren Sturmböen und großem Hagel prognostiziert.
Waldbrände: Löschroboter und Drohnen im Einsatz
Die Hitzewelle hat zahlreiche Waldbrände ausgelöst. Hunderte Feuerwehrleute sind im Einsatz. In Rheinland-Pfalz wurde der Ort Traisen bei Bad Kreuznach evakuiert, weil ein Waldbrand in einem mit Weltkriegsmunition belasteten Gebiet wütet. Eine Sperrzone von einem Kilometer wurde eingerichtet. Löschroboter sollen die Flammen eindämmen. In Bayern, Thüringen und Sachsen waren die Feuerwehren ebenfalls wegen größerer Waldbrände im Einsatz. Der Waldbrand in der Gohrischheide an der Grenze zwischen Sachsen und Brandenburg ist weitgehend gelöscht. „Jetzt geht es darum, die Glutnester, die die Drohne entdeckt hatte, zu beobachten und zu bekämpfen“, sagte Zeithains Bürgermeister Mirko Pollmer (parteilos). Mehr als 200 Einsatzkräfte und zwei Löschhubschrauber waren im Einsatz.
Badetote: Mindestens 26 Menschen an heißem Wochenende gestorben
Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) meldet mindestens 26 Badetote und Vermisste von Freitag bis Sonntag – alles Männer und Jungen. Hinzu kommen mindestens acht Menschen, die unter Reanimation ins Krankenhaus gebracht wurden. DLRG-Präsidentin Ute Vogt hatte zuvor gewarnt: „Wir sehen immer wieder, dass gerade Männer ihre Fähigkeiten überschätzen und Risiken eingehen, die vermeidbar wären.“ Im Jahr 2025 waren vier von fünf Ertrunkenen männlich (82 Prozent).
Gletscherschwund: Bereits jetzt massiver Eisverlust
Die Hitzewelle hat auch die Schweizer Gletscher erreicht. Der Gletscherschwundtag fällt auf den 29. Juni – nur im Rekordschmelzjahr 2022 war er mit dem 26. Juni früher. Glaziologe Matthias Huss von der ETH Zürich sagte der dpa: „Es ist jetzt schon klar, dass die Gletscher wiederum massiv an Eis verlieren.“ Im Jahr 2022 gingen schweizweit innerhalb eines Jahres sechs Prozent der Masse verloren. Die Bilanz für 2026 wird voraussichtlich Anfang Oktober veröffentlicht.
Hitzeschutz: Minister verweist auf Länderverantwortung
Umweltminister Carsten Schneider (SPD) hat beim Hitzeschutz auf die Verantwortung der Länder und Kommunen verwiesen. Der Bund habe ihnen aus dem Sondervermögen für Infrastruktur 100 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. „Ich finde, das ist ausreichend und auch auskömmlich, um das Ganze auch zu finanzieren und diese Aufgabe auch wahrzunehmen“, sagte er im Deutschlandfunk. Gleichzeitig kündigte er an, der Bund werde weiter unterstützen: „Ich arbeite gerade bei der Haushaltsaufstellung daran, dass wir auch in den nächsten Jahren das mitfinanzieren können.“
Verkehr: Hitzeschäden auf Autobahnen und Schienen
Die Hitze hat auch die Verkehrsinfrastruktur beeinträchtigt. Die Deutsche Bahn riet von nicht dringend notwendigen Reisen ab. In Leipzig fielen wegen Hitzeschäden an Schienen und Weichen sämtliche Straßenbahnen aus. Auf mehreren Autobahnen, darunter die A2 bei Burg (Sachsen-Anhalt) und die A93 in Bayern, kam es zu Sperrungen wegen Fahrbahnschäden. Der ADAC listete zahlreiche betroffene Strecken auf.
Weitere Auswirkungen: Von Hitzeopfern bis zu Rekordversuchen
In Köln mussten sieben Menschen aus Dachgeschosswohnungen gerettet werden, ihre Körpertemperatur lag über 42 Grad. Die Feuerwehr forderte zusätzliche Kräfte an. In Dormagen (NRW) wurden Bewohner eines Seniorenheims wegen Temperaturen bis 35 Grad in Sicherheit gebracht. Ein Bewohner starb, die Ursache ist noch unklar. Im positiven Sinne schaffte Bremen einen Rekord: 434 Menschen trieben gleichzeitig auf Poolnudeln im Horner Bad und übertrafen damit den bisherigen Guinness-Rekord aus den USA.



