Waldbrände in Südeuropa werden seltener, aber wenn sie ausbrechen, sind sie kaum noch zu kontrollieren. Laut einer aktuellen Studie im Fachjournal „Scientific Reports“ ist die Region in eine „Ära extremer Brandgefahr“ eingetreten. Die Forschungsgruppe um Raúl R. Cordero von der Universität Groningen und der Universidad de Santiago de Chile wertete Wetterdaten und Feuerstatistiken aus Portugal, Spanien, Frankreich, Italien und Griechenland aus.
Mehr als doppelt so viele entflammbare Tage
Der neu entwickelte Brand-Index, der Hitze, Wind und Trockenheit des Bodens kombiniert, zeigt einen alarmierenden Trend: Die Anzahl der „entflammbaren Tage“ mit extremer Brandgefahr hat sich in weiten Teilen Südeuropas mehr als verdoppelt – von weniger als zehn Tagen pro Sommer im Zeitraum 1981–2010 auf bis zu 25 Tage im Zeitraum 2016–2025. Ein fast identischer Anstieg zeigt sich bei den „warmen Tagen“ mit extrem hohen Temperaturen.
Die iberische Halbinsel traf es am härtesten. Im extremen Jahr 2025 entfielen rund 80 Prozent der gesamten verbrannten Fläche in Südeuropa auf Spanien und Portugal. In Spanien vernichteten Brände 350.000 Hektar – fast die vierfache Fläche Berlins. In Portugal brannten im selben Jahr 250.000 Hektar. Auch in Südfrankreich und weiten Teilen Italiens häuften sich brandgefährliche Tage. Lediglich in Süditalien und Griechenland halfen etwas höhere Sommerniederschläge, das Risiko zu dämpfen.
Das Unterdrückungsparadoxon
Paradoxerweise brennt es gleichzeitig seltener. Jedes der fünf Länder zählte mindestens 40 Prozent weniger Brände pro Jahr als im Durchschnitt zwischen 1981 und 2010. Auch die jährlich verbrannte Fläche war – mit Ausnahme Portugals – geringer. Die Studie führt dies auf erfolgreiche Brandbekämpfung zurück: besser ausgebildete Feuerwehrbrigaden, mehr Löschflugzeuge und Strategien für einen schnellen Erstangriff verhinderten, dass aus kleinen Feuern große Brände wurden.
Doch dieser Erfolg schafft ein neues Problem: das „Unterdrückungsparadoxon“. Weil die Einsatzkräfte die Brände so effektiv löschen, sammeln sich Unterholz und totes Holz an – sogenannte Brennstofflast, die früher durch natürliche kleine Brände abgetragen wurde. Dadurch können Feuer in einen „hochintensiven, unberechenbaren und selbsterhaltenden Zustand“ übergehen, der Löschflugzeuge und Feuerwehren überfordert.
Klimatischer Mix aus Hitze, Trockenheit und Wind
Hinzu kommen klimatische Faktoren: Hitzewellen, wie die Rekordhitze im August 2025 in Spanien, bei der die Durchschnittstemperatur 16 Tage lang 4,6 Grad über dem Normalwert lag und es nicht regnete. Grüne Landschaften trocknen aus und liefern Brennstoff, Winde lassen Brände rasend schnell sich ausbreiten. Wetterphänomene wirken als Barrieren, die Regenwolken fernhalten.
Die Forscher erwarten, dass der klimatische Druck weiter zunimmt. Sie rechnen in diesem Jahrhundert mit bis zu zehnmal mehr extremen Feuern in Europa. Um das Unterdrückungsparadoxon zu durchbrechen, empfehlen sie kontrollierte Brände im Frühling oder Winter, um überschüssiges Gestrüpp zu beseitigen. Auch das Zulassen kleiner Brände könne die Landschaft auf natürliche Weise von der Brennstofflast befreien.



