Am Mittwoch zog eine Wasserhose bei Friedrichshafen über den Bodensee. Ein Experte erklärt, wie sie entstanden ist und wo man vor Tornados am besten Schutz sucht. Die Wasserhose, auch als Tornado über Wasser bekannt, bildete sich aus einer sogenannten Superzelle – einer besonders starken Gewitterwolke mit rotierenden Aufwinden.
Wie entsteht eine Wasserhose?
Laut Meteorologen entstehen Wasserhosen, wenn warme, feuchte Luft aufsteigt und in einer Gewitterwolke zu rotieren beginnt. Die Rotation wird durch Windscherung verstärkt – unterschiedliche Windgeschwindigkeiten in verschiedenen Höhen. Am Bodensee herrschten ideale Bedingungen: Die Wassertemperatur lag bei etwa 22 Grad, die Luft darüber war deutlich kühler. Dies führte zu einer starken vertikalen Luftbewegung.
„Die Superzelle war besonders langlebig und intensiv“, erklärt ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD). „Solche Phänomene sind in Deutschland selten, aber nicht unmöglich.“ Die Wasserhose erreichte eine Höhe von mehreren hundert Metern und zog über den See, bevor sie sich auflöste.
Wo ist man bei einem Tornado sicher?
Bei einem Tornado ist es entscheidend, sich in einem festen Gebäude aufzuhalten. Keller oder Innenräume ohne Fenster bieten den besten Schutz. „Wer draußen ist, sollte sich in eine Mulde legen und den Kopf schützen“, rät der Experte. In Booten auf dem Wasser ist besondere Vorsicht geboten: Die Wasserhose kann das Boot kentern lassen. In solchen Fällen sollte man schnellstmöglich das Ufer ansteuern.
Statistisch gesehen treten in Deutschland pro Jahr etwa 20 bis 30 Tornados auf, meist jedoch schwächerer Stärke. Der Tornado am Bodensee wurde auf der Fujita-Skala als F1 eingestuft, mit Windgeschwindigkeiten von 117 bis 180 km/h. Schäden an Gebäuden oder Verletzte wurden nicht gemeldet.
Klimawandel und Tornadohäufigkeit
Ob der Klimawandel zu mehr Tornados führt, ist unter Wissenschaftlern umstritten. Klar ist, dass höhere Temperaturen die Energie für Gewitter erhöhen. „Wir beobachten eine Zunahme von Extremwetterereignissen, aber die Tornadostatistik ist zu kurz, um klare Trends zu erkennen“, so der DWD-Sprecher. Dennoch sollten Menschen in gefährdeten Regionen wie dem Bodensee Warnungen ernst nehmen und Vorsichtsmaßnahmen treffen.
Die Wasserhose am Mittwoch war ein beeindruckendes Naturschauspiel, aber auch eine Mahnung an die Kraft der Natur. Experten raten, bei Gewittern stets die Wetterlage zu verfolgen und bei Tornadowarnungen sofort Schutz zu suchen.



