West-Nil-Virus in Berlin: Überraschend hohe Infektionsraten bei Mücken
West-Nil-Virus in Berlin: Überraschend hohe Infektionsraten

West-Nil-Virus in Berlin: Überraschend hohe Infektionsraten bei Mücken

Berlin. Wissenschaftler der Berliner Charité haben in einer neuen Studie Mücken auf das West-Nil-Virus untersucht. Die Ergebnisse sind alarmierend: Die Infektionsraten in der Hauptstadt sind vergleichbar mit denen in Südeuropa. Besonders in Parks, Friedhöfen und Kleingärten ist die Gefahr einer Übertragung auf Menschen hoch.

Studiendesign und Ergebnisse

Unter der Leitung von Biologin Sandra Junglen und Mediziner Victor Corman sammelten die Forscher zwischen September 2023 und 2024 monatlich eine Woche lang Mücken an fünf Standorten im Bezirk Tempelhof-Schöneberg. Insgesamt wurden 24.000 Tiere gefangen und auf das West-Nil-Virus getestet. Die Ergebnisse, veröffentlicht in Nature Communications, zeigen: 2023 trugen fünf Prozent der Mücken den Erreger in sich, in den Monaten Juli und August war der Anteil am höchsten. Ein Friedhof in Schöneberg stach mit einer Infektionsrate von 16 Prozent hervor.

Überraschende Verbreitung

Anders als erwartet, war die größte Gefahr nicht in Naturschutzgebieten, sondern in städtischen Grünflächen. „Wir waren überrascht, so hohe West-Nil-Virus-Infektionsraten in Stechmücken in Berlin zu finden“, sagte Studienleiterin Sandra Junglen. Die Infektionsraten im August seien in Berlin vergleichbar mit jenen in Südeuropa.

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Übertragungsweg und endemische Entwicklung

Das West-Nil-Virus wird hauptsächlich durch die heimische Gemeine Hausmücke (Culex pipiens) übertragen. Die Mücken infizieren sich vermutlich an Zugvögeln aus Südeuropa. Seither zirkuliert das Virus zwischen Vögeln und Stechmücken. Die hohe Virusverbreitung auf Friedhöfen erklären die Forscher mit der speziellen Ökologie des Stadtgrüns.

Infektionen beim Menschen

Laut Robert Koch-Institut (RKI) gab es zwischen 2018 und 2023 jährlich fünf bis 30 Infektionen beim Menschen. 2024 stieg die Zahl deutschlandweit auf 35 Fälle, besonders betroffen waren Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Sachsen. Die meisten Infektionen verlaufen symptomlos oder grippeähnlich. In seltenen Fällen kann es zu schweren Verläufen mit Gehirnentzündung kommen, insbesondere bei älteren Menschen und Vorerkrankten.

Klimakrise als Treiber

Die Forscher der Charité sehen einen Zusammenhang mit der Klimakrise. Steigende Temperaturen und häufigere Extremwetterereignisse begünstigen die Ausbreitung von Mückenkrankheiten. Das RKI warnt bereits seit Jahren vor dieser Entwicklung.

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