Zwei schwere Erdbeben innerhalb von nur 39 Sekunden haben Venezuela erschüttert. Ein lautes Krachen, schreiende Menschen, dann eine große Staubwolke – und Tausende Tote werden befürchtet. Am stärksten betroffen ist die Region La Guaira westlich der Hauptstadt Caracas.
Schicksal der Betroffenen
Vor der Ruine eines zwölfstöckigen Gebäudes steht eine Frau und wartet auf Nachricht von ihrer Tochter. „Da drinnen sind Menschen, und niemand kommt, um sie zu retten“, klagt sie. „Wir benötigen Taschenlampen“, sagt einer der freiwilligen Helfer, die versuchen, Überlebende zu orten. Auf TV-Bildern war zu sehen, wie Helfer auf den Trümmerbergen ohne jede Sicherheitsausrüstung und oft nur mit den Händen oder mit Schaufeln einzelne Steine und Gegenstände beiseite räumten, um Verschüttete zu finden. „Nachts habe ich gehört, wie viele in den Trümmern um Hilfe schrien“, erzählte der junge Luis Reyes in RTVE. Eine unter Schock stehende Frau rief in die Kameras: „Es war wie in einem Horrorfilm.“
Zahlreiche zerstörte Gebäude
Ein Fahrzeug ist unter einem Gebäude eingeklemmt, das nach den Erdbeben in La Guaira eingestürzt ist. Menschen besichtigen ein beschädigtes Haus nach dem Beben. Rettungskräfte transportieren eine ältere Person auf einer Trage. Patienten liegen vor einem Krankenhaus, das evakuiert wurde. Zwei Gerettete werden aus den Trümmern gezogen. Ein Junge schaut mit fragenden Augen in die Kamera. Entsetzen, Angst und Trauer: Diese Bewohner von Caracas hoffen auf Informationen von ihren Freunden und Angehörigen. Die Aufnahme zeigt ein schwer beschädigtes Wohngebäude nach einem Erdbeben in Catia La Mar.
Wissenschaftliche Einordnung
Die jüngsten Erdbeben in Venezuela gehören nach Einschätzung eines Forschers zu den stärksten in der Region seit 100 Jahren. Torsten Dahm vom Potsdamer Helmholtz-Zentrum für Geoforschung (GFZ) erklärt, was bisher bekannt ist. Die Beben traten entlang einer Verwerfungszone auf, an der mehrere Erdplatten aneinanderstoßen. In der Region seien es insbesondere die karibische und die südamerikanische Platte, die sich gegeneinander bewegten, sagte der Leiter der GFZ-Sektion Erdbeben- und Vulkanphysik der Deutschen Presse-Agentur. Das führe immer wieder zu Erdbeben.



