Das schwere Erdbeben in Venezuela hat nach Angaben der Behörden mehr als 200 Todesopfer gefordert, über 4000 Menschen wurden verletzt, Hunderte gelten noch als verschüttet. Der Brite Dan Baker, der in der Hauptstadt Caracas lebt, überlebte die Katastrophe und schilderte der Nachrichtenagentur Reuters seine Eindrücke.
„Das Erdbeben dauerte gefühlt eine Ewigkeit“
Baker berichtete, dass das Beben etwa 30 Sekunden anhielt. „Die Menschen vor Ort schrien zu Gott, er solle uns retten“, sagte er. In der Nacht nach dem Beben seien Hunderte Menschen auf den Straßen gewesen, die dort schliefen, weil niemand wusste, ob es weitere Erdbeben geben würde. Es habe bereits mehr als 20 Nachbeben gegeben.
Auf seinem Weg zurück zu seinem Haus durch das Katastrophengebiet wurde ihm das volle Ausmaß der Zerstörung bewusst: „Ich sah drei Hochhäuser, die komplett kollabiert waren. Eines davon war auf eine dreispurige Autobahn gestürzt. Es war wirklich schrecklich, viel schlimmer, als ich gedacht hatte.“
Schwerpunkt der Zerstörung in La Guaira
Luftaufnahmen zeigen die Verwüstung in La Guaira, etwa 20 Kilometer nördlich von Caracas. Dort liegen der internationale Flughafen und der wichtigste Seehafen des Landes. Allein in dieser Region sind mehr als 70.000 Menschen von der Katastrophe betroffen.
Das Doppel-Erdbeben traf ein Land, das durch jahrelange wirtschaftliche Turbulenzen geschwächt ist. Die Infrastruktur ist marode, was die Rettungsarbeiten erschwert. Ein Erdbebenopfer berichtete: „Ich war vielleicht vier Stunden lang in einem Gebäude, bis ich von jemandem vom Zivilschutz gerettet wurde. Sie hatten nicht viel Werkzeug. Sie konnten weder Meißel noch Bohrer noch Trennschleifmaschine finden, also machten sie sich mit bloßen Händen daran.“
Internationale Hilfe läuft an
Internationale Hilfsteams, unter anderem aus Deutschland und Mexiko, sind bereits auf dem Weg nach Venezuela. Auch die USA werden dem Land helfen, das US-Militär soll dabei unterstützen. Derweil versuchen die Venezolaner, sich gegenseitig zu helfen.
Dan Baker betonte den Zusammenhalt der Bevölkerung: „Gestern Abend herrschte auf den Straßen definitiv ein Gefühl von Chaos und Sorge, aber es war auch schön zu sehen, wie die Menschen zusammenhielten. Und ja, das war definitiv ein Gefühl der Gemeinschaft. Die Venezolaner sind so nette, freundliche Menschen. Und das merkt man in Momenten wie diesen wirklich.“



