Erdbeben in Venezuela: Leichengeruch in La Guaira, 1.450 Tote
Erdbeben in Venezuela: 1.450 Tote, Leichengeruch

Nach den verheerenden Erdbeben in Venezuela steigt die offizielle Zahl der Todesopfer auf 1.450. Wie der Präsident der Nationalversammlung, Jorge Rodríguez, mitteilte, wurden rund 3.200 Menschen verletzt. Im Katastrophengebiet La Guaira breitet sich der Geruch verwesender Leichen aus. „Der Geruch ist ein Anzeichen dafür, dass noch Leichen unter den Trümmern liegen“, schrieb die Menschenrechtsorganisation Provea auf der Plattform X.

Rettungsarbeiten am fünften Tag: Zehntausende werden vermisst

Die Rettungsarbeiten in dem südamerikanischen Land laufen am Montag bereits den fünften Tag. Zehntausende Menschen werden noch vermisst. Rund 30.000 venezolanische Einsatzkräfte sowie 2.700 Rettungsexperten aus 24 Ländern sind im Einsatz, darunter auch ein Team des Technischen Hilfswerks (THW) aus Deutschland. „Heute haben wir Überlebende geborgen, daher werden die Rettungsarbeiten nicht eingestellt“, sagte die geschäftsführende Präsidentin Delcy Rodríguez am Sonntag.

Laut Experten sinken die Überlebenschancen der Verschütteten nach 72 Stunden – also drei Tagen – stark. Dennoch bargen internationale Teams nach 86 Stunden eine Sechzigjährige in Caraballeda in La Guaira, wie der Präsident von El Salvador, Nayib Bukele, auf X mitteilte.

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Schadensbilanz: Tausende Gebäude zerstört

Nach der jüngsten Schadensbilanz wurden rund 780 Wohnhäuser sowie 38 Krankenhäuser zerstört oder schwer beschädigt. Auch Einkaufszentren und andere öffentliche Gebäude sind demnach eingestürzt – insgesamt rund 2.500 Wohngebäude und andere Einrichtungen. Nach den Beben der Stärke 7,2 und 7,5 am frühen Mittwochabend (Ortszeit) wurden mindestens 430 Nachbeben verzeichnet. Mehr als 70.000 Familien sind nach der Katastrophe auf humanitäre Hilfe angewiesen. Zahlreiche Menschen schlafen im Freien oder in Notunterkünften.

Die Präsidentschaft hat eine Sonderkommission eingerichtet, um das Maß der Schäden und die Bewohnbarkeit der Gebäude zu überprüfen, wie Rodríguez ankündigte.

Verzweifelte Suche nach Vermissten

Laut einer inoffiziellen Plattform für die Suche nach Vermissten gelten derzeit mehr als 47.000 Menschen als vermisst – nachdem fast 79.000 Vermisstenmeldungen eingegangen waren. Die Angaben lassen sich allerdings nicht unabhängig überprüfen. Menschen suchen auch nach den Namen ihrer Angehörigen auf Listen von Überlebenden, die sich etwa in Notunterkünften befinden.

Kritik an Präsidentin und Rückkehrwunsch von Oppositionsführerin

Venezuela befand sich vor den Erdbeben ohnehin schon in einer schwierigen Lage. Seit Jahren leidet das Land unter politischen Spannungen, wirtschaftlichen Problemen und einer der größten Migrationskrisen der Welt. Im Januar führte Washington einen Militäreinsatz im Land durch, bei dem der autoritäre Machthaber Nicolás Maduro gefangen genommen wurde. Die derzeitige Staatschefin war Vizepräsidentin in der Maduro-Regierung.

In den vergangenen Tagen wurde Kritik an der geschäftsführenden Präsidentin laut. Nachdem sie am Freitag bei einem Rundgang in der Hauptstadt Caracas ausgebuht worden war, wurde sie am Sonntag in sozialen Netzwerken wegen eines protokollarischen Treffens mit internationalen Rettungsteams kritisiert. „Jede Sekunde zählt. Jede Sekunde. Dennoch hält die Regierung von Delcy Rodríguez die Rettungskräfte für eine politische Handlung von ihrer Arbeit ab“, schrieb der regierungskritische Journalist Orlando Avendaño auf X.

Unterdessen kündigte die Oppositionspolitikerin María Corina Machado an, dass sie angesichts der Erdbeben in ihre Heimat zurückkehren möchte. „Auf jeden Fall, die Zeit ist gekommen“, sagte sie dem US-Sender Fox News. Laut einem Bericht der „New York Times“ hält die US-Regierung allerdings einen solchen zeitnahen Schritt für unangebracht. Im vergangenen Dezember war die bis dahin im Untergrund lebende Politikerin heimlich aus Venezuela ausgereist, um den Friedensnobelpreis in Oslo persönlich entgegenzunehmen. Kurz darauf, als sie bereits im Ausland war, wurde Machthaber Maduro gefangen genommen. Nun arbeitet Washington mit der geschäftsführenden Präsidentin Delcy Rodríguez eng zusammen.

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