Erdbeben in Venezuela: Helfer kritisieren abwesenden Staat – über 1900 Tote
Erdbeben in Venezuela: Helfer kritisieren abwesenden Staat

Nach dem verheerenden Doppelerdbeben in Venezuela mit den Stärken 7,2 und 7,5 steigt die Zahl der Toten weiter an. Nach aktuellen Informationen gibt es mehr als 1900 Tote, Tausende Verletzte und Zehntausende Vermisste. Helfer vor Ort kritisieren die venezolanische Regierung scharf: Der Staat sei abwesend und die Hilfe unzureichend. Jetzt ist das Land auf internationale Unterstützung angewiesen, auch aus den USA.

Wettlauf gegen die Zeit: 150 Stunden nach dem Beben

Unmittelbar nach einem Erdbeben beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Mit jeder Stunde sinkt die Wahrscheinlichkeit, unter den Trümmern Überlebende zu bergen. In Venezuela ist diese Wahrscheinlichkeit inzwischen, mehr als 150 Stunden nach der ersten großen Erschütterung, verschwindend gering. Die Beben ereigneten sich am vergangenen Mittwochabend.

Es sind vor allem Freiwillige vor Ort und internationale Hilfskräfte, die seit Tagen in den Trümmern nach Überlebenden suchen. Der Tagesspiegel hat mit mehreren von ihnen gesprochen. Darunter ein venezolanischer Arzt, der von Tag eins an als Freiwilliger im Einsatz ist. Er bittet darum, aus Sicherheitsgründen anonym zu bleiben, und wird hier Juan genannt.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Freiwillige berichten von Abwesenheit des Staates

Juan spricht über die unglaubliche Hilfsbereitschaft in La Guaira, einem der Orte, die am schwersten beschädigt wurden. „Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein junger Freiwilliger mit einer schweren Verstauchung“, schreibt er am Montagabend per Nachricht. „Er bat uns lediglich um ein Schmerzmittel, weil er sofort weiter Trümmer räumen wollte.“

Viele Freiwillige fühlen sich alleingelassen. Sie berichten von fehlender Koordination und mangelnder Unterstützung durch die Regierung. „Der Staat ist nicht präsent“, sagt Juan. Die Helfer müssten sich selbst organisieren und mit eigenen Mitteln arbeiten.

Internationale Hilfe dringend benötigt

Angesichts der Katastrophe ist Venezuela auf Hilfe von außen angewiesen. Die USA haben bereits Unterstützung angeboten, doch die politischen Spannungen zwischen beiden Ländern erschweren die Zusammenarbeit. Venezuela lehnte zunächst Hilfe aus den USA ab, doch der Druck auf die Regierung wächst.

Die Zahl der Opfer wird voraussichtlich weiter steigen. Rettungskräfte arbeiten unter schwierigen Bedingungen, viele Gebiete sind schwer zugänglich. Die internationale Gemeinschaft ruft zu schneller und unbürokratischer Hilfe auf.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration