Die Internationale Seeschifffahrtsorganisation der Vereinten Nationen (IMO) hat ihre Evakuierungsaktion für gestrandete Schiffe im Persischen Golf vorerst gestoppt. Grund ist ein Angriff auf ein Frachtschiff im Golf von Oman, wie IMO-Generalsekretär Arsenio Dominguez mitteilte. Man wolle zunächst prüfen, ob die notwendigen Sicherheitsgarantien weiterhin bestehen. Das angegriffene Schiff sei nicht Teil des Evakuierungsprogramms gewesen, so Dominguez. Die am Dienstag gestartete Initiative sollte hunderten gestrandeten Schiffen und tausenden Seeleuten eine sichere Passage durch die umkämpfte Straße von Hormus ermöglichen.
Angriff auf Frachter vor Oman: Schaden an der Brücke
Die britische Seehandelsaufsicht (UKMTO) berichtete am Donnerstag, dass ein Frachtschiff während der Durchfahrt durch die Straße von Hormus von einem Geschoss getroffen wurde. Durch den Einschlag sei auf der Brücke des Schiffes ein Schaden entstanden, teilte die UKMTO auf der Plattform X mit. Verletzte wurden nicht gemeldet. Wer für den Angriff vor der Küste Omans verantwortlich war, blieb zunächst unklar.
Die iranischen Revolutionsgarden hatten zuvor eine Warnung an Frachter in der Straße von Hormus gerichtet. Eine von der IMO empfohlene Route sei nicht sicher, teilte die Marine der Garde über die staatliche Nachrichtenagentur Irna mit. Die einzige zugelassene Route sei die vom Iran festgelegte. „Der Schiffsverkehr außerhalb dieser Routen ist äußerst gefährlich und untersagt“, hieß es. Bei Verstößen werde man einschreiten.
NGO: Iran zählt zu den schlimmsten Folterstaaten
Unterdessen stufen Menschenrechtsexperten den Iran als einen der schlimmsten Folterstaaten der Welt ein. Folter und Misshandlungen seien systemische Merkmale des iranischen Strafjustiz- und Haftsystems und dienten als Instrumente der Unterdrückung, berichtete die Weltorganisation gegen Folter (OMCT) mit Sitz in Genf. Auf dem sogenannten Folterindex erreiche die Islamische Republik die höchste Gefahrenstufe für Beschuldigte, so die Allianz von Nichtregierungsorganisationen in ihrem zweiten Weltreport über insgesamt 39 Länder.
Verurteilungen könnten im Iran allein auf der Grundlage von Geständnissen erfolgen, hieß es. Dies schaffe starke Anreize für Folter und Misshandlungen, um Geständnisse zu erpressen. Im Iran seien 2025 mindestens 1639 Menschen hingerichtet worden – eine der höchsten Hinrichtungsraten weltweit.
Oman: Keine Gebühren für Durchfahrt durch die Straße von Hormus
Der Oman hat klargestellt, dass für die Durchfahrt durch die Straße von Hormus keine Gebühren erhoben werden. „Zukünftige Regelungen mit Blick auf die Straße (von Hormus) beinhalten keine Erhebung irgendwelcher Transitgebühren“, teilte Omans Außenminister Badr al-Busaidi mit. Das Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran habe das Ziel, dort die Freiheit der Schifffahrt und sichere Durchfahrt zu gewährleisten.
US-Präsident Donald Trump hatte zuvor erklärt, der Iran fordere keine Gebühren für eine Schiffspassage. Der Iran habe die USA darüber informiert, dass entgegen anderslautender Berichte keine Zölle, Versicherungskosten oder sonstige Abgaben verlangt oder eingenommen würden, schrieb Trump in einem Social-Media-Beitrag. Sollte sich dies als Falschinformation herausstellen, würden die Verhandlungen sofort beendet.
Evakuierungsplan: 57 Schiffe haben die Straße von Hormus passiert
Trotz des vorläufigen Stopps der Evakuierung hatten seit Beginn der Maßnahme am Dienstag 57 Schiffe die Straße von Hormus passiert, wie die IMO am Donnerstag mitteilte. An Bord dieser Schiffe seien schätzungsweise 1100 Seeleute. Der IMO-Plan soll insgesamt Hunderten von Schiffen mit rund 11.000 Crew-Mitgliedern die Durchfahrt ermöglichen, die seit Monaten aufgrund des Iran-Kriegs im Golf feststecken.
Die dänische Containerreederei Maersk teilte mit, zwei ihrer Schiffe hätten die Meerenge in der Nacht sicher durchquert und den Golf verlassen. Dabei handele es sich um die konzerneigene Maersk Baltimore und ein derzeit von Maersk gechartertes Schiff. Ein weiteres Schiff solle zu einem späteren Zeitpunkt folgen.
Ölpreise fallen auf Tiefstand seit Beginn des Iran-Kriegs
Die Ölpreise sind auf den tiefsten Stand seit der Zeit vor dem Beginn des Iran-Kriegs gefallen. Die Nordseesorte Brent verbilligte sich um 4,3 Prozent auf 73,74 Dollar je Barrel und markierte zeitweise mit 73,12 Dollar den tiefsten Wert seit dem 27. Februar, dem Tag vor den US-israelischen Angriffen. Die US-Sorte WTI gab um 3,9 Prozent auf 70,34 Dollar nach und rutschte zwischenzeitlich erstmals seit dem 2. März unter die Marke von 70 Dollar.
US-Energieminister Chris Wright erklärte auf dem Reuters Global Energy Forum in New York, dass in den vergangenen 24 Stunden rund 72 Schiffe mit insgesamt etwa 20 Millionen Barrel Rohöl die Straße von Hormus passiert hätten. Die Rückkehr zu normalen Öltransporten verzögere sich jedoch wegen iranischer Minen in der Meerenge. Der Iran werde künftig nicht mehr in der Lage sein, die Straße von Hormus zu blockieren, betonte Wright. Selbst ohne ein Abkommen mit dem Iran würden die USA den Ölfluss durch die Meerenge sicherstellen.
Israelischer Soldat im Südlibanon getötet – Katz lehnt Abzug ab
Im Süden des Libanon ist ein israelischer Soldat getötet worden. Ein weiterer sei verletzt worden, teilte das Militär am Donnerstag mit. Dadurch stieg die Zahl der bei Kämpfen zwischen Israel und der schiitischen Hisbollah-Miliz im Libanon und im Norden Israels getöteten Soldaten auf mindestens 37.
Israels Verteidigungsminister Israel Katz lehnt einen Truppenabzug aus dem Libanon trotz internationalen Drucks ab. Die Armee werde so lange wie nötig in den Sicherheitszonen des Nachbarlandes, in Syrien und im Gazastreifen bleiben, sagte Katz. Ein Rückzug aus diesen Gebieten komme nicht infrage. Die USA hätten Israel nicht aufgefordert, sich aus dem Nachbarland zurückzuziehen, so Katz. „Wir ziehen uns nicht zurück, und im Moment gibt es – und das ist ein diplomatischer Erfolg – keine amerikanische Forderung an Israel, sich aus dem Libanon zurückzuziehen.“
Libanon: Zwei Tote bei israelischem Drohnenangriff trotz Waffenruhe
Bei einem israelischen Drohnenangriff im Südlibanon sind örtlichen Angaben zufolge zwei Menschen getötet worden. Demnach sei das Geschoss in ein Auto eingeschlagen, verlautete aus libanesischen Sicherheits- und Sanitätskreisen. Es ist der zweite Tag in Folge mit einem solchen Vorfall. Am Vortag waren bei einem ähnlichen Angriff trotz einer Waffenruhe mindestens zwei Menschen getötet worden, wie libanesische Sicherheits- und Sanitätskreise der Nachrichtenagentur Reuters mitteilten. Das israelische Militär prüft die Berichte nach eigenen Angaben.
Rubio wirbt bei Golf-Staaten um Unterstützung für Iran-Abkommen
US-Außenminister Marco Rubio hat den arabischen Golf-Staaten zugesichert, dass ihre Interessen bei einem Abkommen mit dem Iran berücksichtigt werden. Zum Abschluss einer dreitägigen Nahost-Reise warb Rubio in Bahrain um Unterstützung für die Rahmenvereinbarung der US-Regierung mit der Führung in Teheran. Die Verbündeten der USA in der Region stehen der Vereinbarung skeptisch gegenüber und befürchten eine Stärkung des Iran. Bahrains Außenminister Abdullatif bin Raschid Al-Sajani begrüßte bei dem Treffen Pläne des Oman für einen sicheren Schiffskorridor durch die Straße von Hormus.
IAEA: Bald wieder Atominspektionen im Iran
Nach dem vorläufigen Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran plant die UN-Atomaufsicht IAEA nach eigenen Angaben schon bald neue Atominspektionen in der Islamischen Republik. Die genauen Modalitäten wie Daten, Verfahren und Orte müssten jedoch noch geklärt werden, sagte IAEA-Chef Rafael Grossi auf einer Pressekonferenz in Japan. Grossi zufolge sieht das Abkommen ausdrücklich vor, dass die IAEA künftige Atomarbeiten des Iran überwache. „Die Inspektionen werden in der Tat stattfinden.“ Allerdings ließ Grossi Raum für Zweifel: Voraussetzung sei, dass sich die Iraner an die Vereinbarung hielten. „Wenn sie dies nicht (tun) wollen, ist das eine andere Sache“, fügte Grossi hinzu.
Katar will in einigen Wochen wieder Flüssigerdgas produzieren
Katar will nach Angaben seines Ministerpräsidenten Mohammed bin Abdulrahman Al Thani innerhalb einiger Wochen wieder normal Flüssigerdgas (LNG) produzieren. „Innerhalb weniger Wochen wird die Produktion wieder auf ein normales Niveau steigen“, sagte Al Thani der „Financial Times“. Eine Ausnahme sei die Gasanlage Ras Laffan, die durch iranische Angriffe im Krieg und zuletzt durch eine Explosion beschädigt wurde. Der Zustand der „höheren Gewalt“ (Force Majeure) für die ausgesetzten LNG-Lieferungen soll erst aufgehoben werden, wenn alle Fragen geklärt seien und der Betrieb sicher sei.



