Die UN-Schifffahrtsorganisation IMO meldet, dass seit Beginn des Evakuierungsplans am Dienstag 57 Schiffe die Straße von Hormus passiert haben. An Bord befinden sich schätzungsweise 1100 Seeleute, die aufgrund des Iran-Kriegs monatelang im Persischen Golf festsaßen. Der IMO-Plan soll insgesamt Hunderten von Schiffen mit rund 11.000 Crew-Mitgliedern die Durchfahrt ermöglichen.
Ölpreise fallen auf Tiefststand
Die Ölpreise sind auf den tiefsten Stand seit Beginn des Iran-Kriegs gefallen. Die Nordseesorte Brent verbilligte sich um 4,3 Prozent auf 73,74 Dollar je Barrel und markierte zeitweise mit 73,12 Dollar den tiefsten Wert seit dem 27. Februar. Die US-Sorte WTI gab um 3,9 Prozent auf 70,34 Dollar nach und rutschte zeitweise unter die Marke von 70 Dollar.
US-Energieminister Chris Wright erklärte auf dem Reuters Global Energy Forum in New York, dass in den vergangenen 24 Stunden rund 72 Schiffe mit insgesamt etwa 20 Millionen Barrel Rohöl die Straße von Hormus passiert hätten. Die Rückkehr zu normalen Öltransporten verzögere sich jedoch wegen iranischer Minen in der Meerenge. „Der Iran wird künftig nicht mehr in der Lage sein, die Straße von Hormus zu blockieren“, betonte Wright.
NGO: Iran einer der schlimmsten Folterstaaten
Die Weltorganisation gegen Folter (OMCT) mit Sitz in Genf stufte den Iran als einen der schlimmsten Folterstaaten der Welt ein. In ihrem zweiten Weltreport über 39 Länder erreicht die Islamische Republik die höchste Gefahrenstufe für Beschuldigte. Folter und Misshandlungen seien systemische Merkmale des iranischen Strafjustiz- und Haftsystems und dienten als Instrumente der Unterdrückung. Verurteilungen könnten allein auf der Grundlage von Geständnissen erfolgen, was starke Anreize für Folter schaffe. Im Iran seien 2025 mindestens 1639 Menschen hingerichtet worden – eine der höchsten Hinrichtungsraten weltweit.
Oman lehnt Gebühren für Straße von Hormus ab
Omans Außenminister Badr al-Busaidi teilte mit, dass für die Durchfahrt der Straße von Hormus keine Gebühren erhoben werden. „Zukünftige Regelungen mit Blick auf die Straße (von Hormus) beinhalten keine Erhebung irgendwelcher Transitgebühren“, so al-Busaidi. Das Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran habe das Ziel, die Freiheit der Schifffahrt und sichere Durchfahrt zu gewährleisten.
US-Präsident Donald Trump schrieb in einem Social-Media-Beitrag, der Iran habe die USA informiert, dass entgegen anderslautender Berichte keine Zölle, Versicherungskosten oder sonstige Abgaben verlangt würden. Sollte sich dies als Falschinformation herausstellen, würden die Verhandlungen sofort beendet.
Rubio wirbt um Unterstützung für Iran-Abkommen
US-Außenminister Marco Rubio sicherte den arabischen Golf-Staaten zu, dass ihre Interessen bei einem Abkommen mit dem Iran berücksichtigt werden. Zum Abschluss einer dreitägigen Nahost-Reise warb Rubio in Bahrain um Unterstützung für die Rahmenvereinbarung. Die Verbündeten der USA stehen der Vereinbarung skeptisch gegenüber und befürchten eine Stärkung des Iran. Bahrains Außenminister Abdullatif bin Raschid Al-Sajani begrüßte die Pläne des Oman für einen sicheren Schiffskorridor.
Iranische Revolutionsgarden drohen mit Maßnahmen
Die iranischen Revolutionsgarden bezeichneten eine ohne Abstimmung mit dem Iran angekündigte neue Schifffahrtsroute in der Straße von Hormus als inakzeptabel und gefährlich. Eine sichere Durchfahrt sei nur auf den vom Iran festgelegten Routen möglich, teilte die Eliteeinheit mit. Zudem sei eine Abstimmung mit der Marine der Revolutionsgarden über Funk zwingend erforderlich. Gegen Schiffe, die sich nicht an diese Vorgaben halten, kündigte die Einheit Maßnahmen an.
Südkorea meldet Ausfahrt von fünf Schiffen
Fünf weitere von Südkorea betriebene Schiffe haben die Straße von Hormus verlassen, wie das Schifffahrtsministerium in Seoul mitteilte. Eines der Schiffe sei auf dem Weg nach Südkorea. Die Namen der Schiffe werden auf Bitte der Reedereien und Besatzungen nicht genannt. Insgesamt befinden sich noch 13 südkoreanische Schiffe mit 87 Besatzungsmitgliedern in der Meerenge. Südkorea führt Gespräche mit anderen Ländern, um auch diesen Schiffen eine sichere Ausfahrt zu ermöglichen.
US-Rohöllagerbestände auf Tiefststand seit 1984
Die gesamten US-Rohöllagerbestände einschließlich der strategischen Reserve SPR fielen in der Woche zum 19. Juni um mehr als 15 Millionen Barrel auf 743,3 Millionen Barrel. Das ist der niedrigste Stand seit Oktober 1984, wie aus Daten der US-Energiebehörde EIA hervorgeht. Die Bestände am wichtigen Öllager Cushing im Bundesstaat Oklahoma sanken auf etwa 19 Millionen Barrel – der tiefste Wert seit Oktober 2014. Die USA haben aufgrund der Sperrung der Straße von Hormus auf die Vorräte zurückgegriffen.
Weitere Entwicklungen im Überblick
Im Süden des Libanon wurde ein israelischer Soldat getötet, ein weiterer verletzt. Die Zahl der bei Kämpfen mit der Hisbollah getöteten Soldaten stieg auf mindestens 37. Bei einem israelischen Drohnenangriff im Südlibanon wurden zwei Menschen getötet. Die Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah wird trotz Verstößen weitgehend eingehalten.
Die internationale Stabilisierungstruppe für den Gazastreifen wächst. Marokko entsandte Militärs nach Israel zur Planung künftiger Einsätze. Auch Indonesien und Albanien haben sich bereiterklärt, sich zu beteiligen.
Die IAEA plant bald neue Atominspektionen im Iran. IAEA-Chef Rafael Grossi sagte, das Abkommen sehe ausdrücklich vor, dass die IAEA künftige Atomarbeiten des Iran überwache. „Die Inspektionen werden in der Tat stattfinden.“ Voraussetzung sei, dass sich die Iraner an die Vereinbarung hielten.
Katar will innerhalb weniger Wochen wieder normal Flüssigerdgas produzieren. Ministerpräsident Mohammed bin Abdulrahman Al Thani sagte der „Financial Times“, die Produktion werde wieder auf ein normales Niveau steigen. Eine Ausnahme sei die beschädigte Gasanlage Ras Laffan.
Die EU-Flugsicherheitsbehörde EASA mahnte Airlines zu anhaltender Wachsamkeit über Nahost. Die Bereiche über dem Iran, dem Irak und dem Libanon sollten weiter gemieden werden. Die Warnung wurde bis zum 1. Juli verlängert.



