König Charles begnadigt Ruth Ellis – 71 Jahre nach ihrer Hinrichtung
König Charles begnadigt Ruth Ellis posthum

König Charles III. hat Ruth Ellis posthum begnadigt. Die 33-jährige Nachtclub-Hostess und Mutter zweier Kinder war 1955 als letzte Frau im Vereinigten Königreich wegen Mordes gehenkt worden. Die Entscheidung des Monarchen, die auf Empfehlung der britischen Regierung erfolgte, wandelt die Todesstrafe in eine lebenslange Freiheitsstrafe um. Für die Familie von Ellis ist dies ein wichtiger Schritt, um nach Generationen des Leids mit ihrer Geschichte Frieden zu schließen.

Der Fall Ruth Ellis: Ein tragisches Verbrechen

Ruth Ellis erschoss am 10. April 1955 ihren Liebhaber David Blakely vor dem Londoner Pub The Magdala. Die Beziehung des Paares war von Gewalt und Untreue geprägt. Wenige Wochen vor der Tat verlor Ellis nach einem tätlichen Angriff Blakelys ihr ungeborenes Kind. Im anschließenden Mordprozess spielte die erlittene häusliche Gewalt jedoch keine Rolle. Die Richterin wies die Geschworenen an, diesen Umstand bei ihrer Entscheidung nicht zu berücksichtigen. Bereits nach 14 Minuten Beratung fiel das Todesurteil.

Ihr Auftreten vor Gericht beeinflusste die öffentliche Wahrnehmung zusätzlich. Ellis zeigte kaum Gefühle und wirkte auf viele Beobachter kühl und gefasst. Ihre Enkelin Laura Enston erklärte später in einem Interview mit AFP, dieses Verhalten sei kein Zeichen von Gefühllosigkeit gewesen, sondern Ausdruck eines schweren Traumas und damit typisch für viele Opfer häuslicher Gewalt.

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Posthume Begnadigung durch König Charles III.

Der Fall von Ruth Ellis erhält eine besondere Tragik durch den Umstand, dass nur zwei Jahre nach ihrer Hinrichtung eine Gesetzesänderung die verminderte Schuldfähigkeit als möglichen Verteidigungsgrund im britischen Strafrecht verankerte. Ihre Familie setzte sich deshalb über viele Jahre für eine Begnadigung ein, die nun von Charles III. gewährt wurde.

Der stellvertretende Premierminister David Lammy informierte die Abgeordneten sowie die im Parlament anwesenden Angehörigen über die Entscheidung des Königs. Er erklärte, die ursprünglich verhängte Todesstrafe werde durch eine lebenslange Freiheitsstrafe ersetzt. Die Begnadigung entlaste Ruth Ellis zwar nicht von ihrer Schuld am Tod von David Blakely, trage jedoch einer schwerwiegenden Ungerechtigkeit in diesem außergewöhnlichen Fall Rechnung. Der König kann im Vereinigten Königreich Begnadigungen aussprechen oder Strafen umwandeln. Von dieser Befugnis wird jedoch in der Regel nur auf Empfehlung der Regierung Gebrauch gemacht, was im Fall von Ruth Ellis nun geschehen ist.

Hinrichtung mit tragischen Folgen für die Familie

Laura Enston betonte, dass die Folgen des Urteils für ihre Familie zwar niemals rückgängig gemacht werden könnten. Dennoch empfinde sie die Begnadigung als späte Gerechtigkeit nach 70 Jahren. Ruth Ellis sei Opfer jahrelanger und schwerer Misshandlungen gewesen. Die Gewalt in der Beziehung und die Hinrichtung ihrer Mutter hätten das Leben ihrer Kinder dauerhaft geprägt. Enston schilderte in einem Interview, über das die BBC berichtet, dass ihr Onkel sich das Leben nahm und ihre Mutter die traumatischen Erlebnisse nie überwinden konnte. Der Schatten der Hinrichtung habe sich über zwei Generationen gelegt und die Familie mit einer Last belastet, die sie niemals hätte tragen dürfen.

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