Am Widrada-Strand in Odessa herrscht bestes Badewetter. Es ist ein Nachmittag Anfang Juli: 26 Grad, eine leichte Brise, gelegentlich zieht eine Wolke vorbei, die Wellen plätschern sanft an den breiten Sandstrand. Hunderte Besucher haben es sich auf ihren Handtüchern bequem gemacht, Kinder bauen Sandburgen, Teenager schubsen sich kichernd gegenseitig ins Wasser. Der Eintritt ist frei, und es gibt Platz für alle. Es könnte eine Sommeridylle sein.
Dann ertönt eine Sirene. In den einschlägigen Telegram-Kanälen wird vor russischen Flugzeugen über dem Meer gewarnt: Sie könnten Raketen abfeuern – die in wenigen Minuten auch diesen Strand erreichen würden. Alle werden aufgefordert, schnell Schutz zu suchen.
Russische Angriffe fordern immer wieder Todesopfer
Russische Angriffe fordern in Odessa immer wieder Todesopfer – zuletzt starb eine 26-Jährige am Strand durch Splitter einer russischen Langstreckendrohne. Trotzdem sind die Schwarzmeerstrände beliebt. Doch wie erholsam ist es dort? Der Alltag der Bewohner und Touristen ist geprägt von der ständigen Bedrohung aus der Luft.
„Viele Besucher sind zu sorglos“, warnt ein Einheimischer. Die Strände sind trotz der Gefahr gut besucht. Die Menschen versuchen, ein Stück Normalität zu bewahren, doch die Sirenen reißen sie immer wieder aus der Idylle.
Schutzsuche und Alltag zwischen den Alarmen
Wenn der Alarm ertönt, suchen die meisten schnell Schutz in den nahe gelegenen Bunkern oder hinter Betonmauern. Nach etwa 15 Minuten Entwarnung kehren sie zurück an den Strand, als sei nichts gewesen. „Man gewöhnt sich daran“, sagt eine Urlauberin. „Aber die Angst bleibt.“
Die Stadtverwaltung hat die Strände offiziell nicht gesperrt. Es gibt jedoch Durchsagen und Hinweisschilder, die auf die Gefahr hinweisen. Rettungsschwimmer und Polizei patrouillieren und fordern bei Alarm zur Räumung auf.
Tourismus als Akt des Widerstands
Für viele ist der Strandbesuch ein Akt des Widerstands gegen den Krieg. „Wir lassen uns nicht unterkriegen“, sagt ein junger Mann, der mit Freunden Volleyball spielt. Die Wirtschaft Odessas leidet unter dem Krieg, der Tourismus ist eine wichtige Einnahmequelle. Hotels und Restaurants sind bemüht, den Gästen einen unbeschwerten Aufenthalt zu bieten.
Doch die Realität ist allgegenwärtig. Immer wieder schlagen Raketen ein, nicht nur am Strand, sondern auch in Wohngebieten. Die 26-Jährige, die durch Drohnensplitter starb, ist nur ein Beispiel für die vielen zivilen Opfer.
Fazit: Erholung mit Risiko
Urlaub in Odessa ist möglich, aber nicht ohne Gefahr. Die Strände sind voll, das Wasser ist warm, die Stimmung ist trotz allem oft ausgelassen. Doch die Sirenen und die ständige Bedrohung durch Raketen machen die Erholung zu einem Balanceakt zwischen Genuss und Überlebenswillen. Wer nach Odessa reist, sollte sich der Risiken bewusst sein und stets wachsam bleiben.



