In der russischen Stadt Nischni Tagil hat ein Student einen ungewöhnlichen Kriegsprotest gestartet, der nun ein juristisches Nachspiel hat. Der 18-jährige Timofey Vakhonin bestellte in einer Pizzeria eines Einkaufszentrums eine Pizza unter dem Namen „Adolf Hitler“. Die Aktion blieb nicht unbemerkt und führte zu einer fünftägigen Haftstrafe.
Provokante Bestellung im Einkaufszentrum
Der Vorfall ereignete sich Mitte Juni. Alexey Svalov, ein Abgeordneter in der Region Swerdlowsk, postete auf Telegram Aufnahmen aus dem Food-Court einer Shoppingmall. Auf den Fotos war ein junger Mann mit kurz geschorenen Haaren zu sehen, der gemeinsam mit einer Frau aß. Im Hintergrund leuchtete die digitale Anzeige eines Pizzageschäfts: „Adolf Hitler, wir bereiten deine Bestellung vor“ – in kyrillischer Schrift.
Svalov wandte sich in seinem Post direkt an die Polizei: „Hier eine interessante Geschichte für Sie. (...) Bei Dodo Pizza bestellte ein junger Mann um 18.52 Uhr die Nummer 160. Als Namen gab er ‚Adolf Hitler‘ an. Das alles geschah vor den Augen meines Freundes – einem Veteranen.“
Reaktion des Studenten: „Ich bin gegen den Krieg“
Als der Student auf seine Aktion angesprochen wurde, erklärte er: „Ich bin gegen den Krieg, ich unterstütze ihn nicht, das ist meine Position.“ Damit drückte er seinen Unmut über den russischen Angriffskrieg in der Ukraine aus. Allerdings ist fraglich, ob die Verwendung des Namens eines Kriegsgegners und Massenmörders den gewünschten Effekt erzielt.
Der junge Mann stellte sich als Timofey Vakhonin heraus, ein Student an einer Baufachschule in Nischni Tagil. Die provokante Bestellung blieb nicht ohne Folgen.
Reue vor Gericht und fünftägige Haftstrafe
Wie das Pressebüro der Gerichte der Region Swerdlowsk mitteilte, wurde der 18-Jährige kurze Zeit später festgenommen und vor Gericht gestellt. Dort zeigte er keine standhafte Haltung mehr. „Er zeigte sofort Reue für sein Handeln, konnte seine Tränen kaum zurückhalten und entschuldigte sich bei allen, deren Gefühle durch sein Verhalten verletzt worden waren“, hieß es in der Mitteilung des Innenministeriums der Region. Er betonte zudem, kein Nazi-Sympathisant zu sein.
Trotz seiner Reue erhielt Vakhonin eine fünftägige Haftstrafe. Darüber hinaus droht ihm der Verlust seines Studienplatzes. Das Ministerium erklärte: „Er stellte sich nicht nur als Führer des Dritten Reiches vor, als er in einem Einkaufszentrum eine Pizza bestellte, sondern zeigte auch online und an seinem Studienort ein Hakenkreuz.“
Rechtliche Grundlage: Verbreitung von Nazi-Symbolen
In Russland ist die Verbreitung von Nazi-Symbolen eine Ordnungswidrigkeit. Sie kann mit Haftstrafen von bis zu 15 Tagen sowie Bußgeldern und gemeinnütziger Arbeit geahndet werden. Der Fall zeigt, wie sensibel die russischen Behörden auf solche Provokationen reagieren, insbesondere im Kontext des Ukraine-Krieges, der zu wachsendem Unmut in der Bevölkerung führt.



