Krim-Brücke gesperrt: Autoverkehr eingestellt
Russische Behörden auf der von Moskau besetzten ukrainischen Halbinsel Krim haben in der Nacht die Krim-Brücke zwischen Kertsch und dem russischen Festland für den Autoverkehr gesperrt. Auch der Fährverkehr zwischen dem Festland und der Krim wurde eingestellt. Die Schließung erfolgte nach neuen massiven ukrainischen Drohnenangriffen, die auch den Hafen Kawkas auf der russischen Seite der Straße von Kertsch trafen. Dort befinden sich ein Kraftstoffterminal und ein Öldepot.
Benzin-Krise auf der Krim: Verkauf ausgesetzt
Auf der Halbinsel verschärft sich die Benzin-Krise. Der von Moskau eingesetzte Statthalter von Sewastopol, Michail Raswoschajew, teilte auf Telegram mit, dass sich die Kraftstofflieferungen weiter verzögerten. Die für Sonntag geplante Zuteilung von Benzin für Autofahrer müsse abgesagt werden. Tanken sei nur noch für die operativen Dienste möglich. Sergej Aksjonow, der von Moskau eingesetzte Leiter der Krim, erklärte, ab 9 Uhr Ortszeit am Sonntag werde Kraftstoff nur noch für Dienste bereitgestellt, die für das Funktionieren und die Sicherheit der Krim entscheidend seien.
Ukrainische Angriffe auf russische Öl-Infrastruktur
Die Ukraine hat ihre Angriffe auf Verkehrsverbindungen zur Krim und auf die russische Ölinfrastruktur verstärkt. Allein die Raffinerie in Moskau wurde in der vergangenen Woche zweimal getroffen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, die Streitkräfte hätten Einrichtungen auf beiden Seiten der Brücke angegriffen. Der ukrainische Generalstab teilte auf Telegram mit, dass der Hafen Kavkaz in der russischen Region Krasnodar sowie ein Ölterminal in Kertsch in der Nacht getroffen worden seien. Zudem bestätigte er einen früheren Angriff auf die Ölraffinerie Tjumen. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, landesweit seien in der Nacht 239 ukrainische Drohnen abgeschossen worden.
Tote bei russischen Angriffen in der Ukraine
Durch russische Angriffe sind in der Ukraine mindestens fünf Menschen getötet worden. In der Gemeinde Snob-Nowhorodske im nordostukrainischen Gebiet Sumy habe ein Drohnenangriff das Haus einer kinderreichen Familie getroffen, teilte die regionale Staatsanwaltschaft mit. Ein 13-Jähriger, sein Vater und seine Großmutter seien ums Leben gekommen. Die Mutter und zwei Geschwister im Alter von 10 und 13 Jahren wurden den Angaben zufolge verletzt. Die Ortschaft liegt nur wenige Kilometer von der Grenze zu Russland entfernt. In Saporischschja im Südosten der Ukraine wurde eine Frau bei einem russischen Drohnenangriff getötet, wie Militärgouverneur Iwan Fedorow mitteilte. Drei weitere seien verletzt worden. Der Flugkörper schlug demnach in ein Haus in einem Wohngebiet ein und löste einen Brand aus.
Russland wehrt Drohnen über Moskau ab
Die russische Luftabwehr hat am frühen Morgen nach eigenen Angaben Dutzende Drohnen über Moskau abgeschossen. Insgesamt seien fast 60 auf die Hauptstadt zusteuernde Drohnen abgefangen worden, teilt Bürgermeister Sergej Sobjanin über Telegram mit. Rettungskräfte seien zu den Absturzstellen entsandt worden. Der Flugverkehr an den Hauptstadtflughäfen Scheremetjewo, Domodedowo und Wnukowo sowie im nahegelegenen Schukowski sei vorübergehend eingestellt worden, erklärt die Luftfahrtbehörde.
Selenskyj erwartet Deeskalation von Minsk
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erwartet vom belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko konkrete Schritte zur Deeskalation. „Lukaschenko muss über Worte hinaus Deeskalation demonstrieren“, sagte er in einem Interview ukrainischer Medien. Eine bloße Entschuldigung des engen Verbündeten Moskaus genüge nicht: „Sein ‚Ich entschuldige mich‘ soll er für sich behalten, das funktioniert seit dem ersten Tag des Kriegs nicht mehr.“ Belarus gilt als engster Verbündeter Russlands. Beim Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022 griff die russische Armee auch von belarussischem Gebiet aus in Richtung der ukrainischen Hauptstadt Kiew an, musste sich aber nach schweren Verlusten zurückziehen. Lukaschenko hatte erst vor kurzem Moskau und Kiew aufgerufen, den Krieg zu beenden. Kiew sieht sich derzeit durch mehrere russische Relaisstationen auf belarussischem Gebiet bedroht, die Russland zur Steuerung von Drohnen nutzt. Selenskyj hatte Lukaschenko bereits mehrfach aufgefordert, die Anlagen abzubauen: „Wenn sie es nicht abschalten, werden wir es abschalten, Punkt.“
Massive ukrainische Angriffe auf die Krim
Bei neuen massiven ukrainischen Drohnenangriffen sind auf der Krim nach Behördenangaben im Raum Kertsch mindestens vier Menschen getötet und 28 verletzt worden, teilte Sergej Aksjonow auf Telegram mit. Im Kraftstoffterminal der Hafenstadt Kertsch sei ein Feuer ausgebrochen, eine große Rauchwolke liege über der Region, berichtete das Telegram-Portal „Krymski Weter“. Die Ukraine versucht seit Wochen, mit zunehmenden Angriffen die Krim von der Versorgung abzuschneiden.



