Die von Russland besetzte Stadt Sewastopol auf der Krim ist nach einer nächtlichen Drohnenattacke vollständig von der Stromversorgung abgeschnitten worden. Der von Moskau eingesetzte Gouverneur Michail Raswoschajew erklärte am 24. Juni 2026 auf Telegram, dass die massiven Angriffe auf die Energieinfrastruktur zu einem vollständigen Stromausfall in der Stadt geführt hätten. Augenzeugen und lokale Monitoring-Kanäle berichteten von zahlreichen Explosionen, die während der Nacht auf der gesamten Halbinsel zu hören gewesen seien. Als Hauptziel der Angriffe gilt das Balaklawa-Kraftwerk in Sewastopol, eines der wichtigsten Energieobjekte auf der Krim.
Angriff auf Gasanlage in Orenburg
Auch die weit von der Front entfernte Wolgaregion Orenburg in Russland ist unter Beschuss geraten. Der Gouverneur der Region, Jewgeni Solnzew, berichtete von einem schweren Angriff. „Einige Drohnen wurden über Industrieobjekten in der Stadt abgeschossen“, schrieb er in sozialen Netzwerken. Dort seien Katastrophenschutz und Feuerwehr im Einsatz, Verletzte gebe es nicht. Medienberichten zufolge wurde eine Anlage zur Verarbeitung von Erdgas beschossen. Über das Ausmaß der Schäden ist bislang nichts bekannt.
Raswoschajew zeigte sich trotz der Lage zuversichtlich: „Ein Stromausfall wird uns nicht einschüchtern. Wir haben schon Schlimmeres erlebt und werden auch das überstehen.“
Ein Toter bei Drohnenangriff in Belgorod
In der russischen Grenzregion Belgorod ist bei einem ukrainischen Drohnenangriff nach Angaben der Behörden ein Mensch getötet worden. Der Mann sei im Bezirk Wejdelewski bei der Explosion einer Drohne getötet worden, teilten die Behörden am 24. Juni auf Telegram mit. Eine Frau wurde demnach durch Splitter verletzt und ins Krankenhaus gebracht. Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte mit, die russische Luftabwehr habe in der Nacht insgesamt 323 ukrainische Drohnen abgefangen und zerstört. In der Ukraine war bei russischen Angriffen in der Nacht eine Frau in der Region Charkiw getötet worden.
Russlands Kritik an Trump wächst
Russland hat den USA vorgeworfen, Absprachen nicht eingehalten zu haben, die die Präsidenten Wladimir Putin und Donald Trump bei einem Gipfel in Alaska im August 2025 getroffen hätten. Die Agentur Interfax zitierte Vize-Außenminister Sergej Rjabkow mit den Worten, die USA seien von „grundlegenden Vereinbarungen“ abgewichen. Zudem beobachte Russland, dass sich „die Linie Washingtons immer mehr der fanatischsten antirussischen Politik annähert, die von den engsten europäischen Verbündeten der USA – nämlich Großbritannien und Frankreich – verfolgt wird“. Die Kritik deutet auf eine wachsende Frustration Russlands über die USA hin, nachdem es lange Zeit so ausgesehen hatte, als stünde Trump Russland in dem Krieg näher als der Ukraine.
E5-Gruppe bereitet Nato-Gipfel vor
Die Staats- und Regierungschefs der sogenannten E5-Gruppe trafen sich am 24. Juni in Berlin zu Vorbereitungen für den Nato-Gipfel im Juli. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) empfing den britischen Premierminister Keir Starmer, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, den polnischen Regierungschef Donald Tusk und Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni. Nato-Generalsekretär Mark Rutte wurde per Video zugeschaltet. Ein Thema des Treffens war die weitere Unterstützung der Ukraine. Der Nato-Gipfel findet am 7. und 8. Juli in Ankara statt.
Selenskyj reist nicht zur Wiederaufbaukonferenz nach Polen
Wegen eines eskalierenden Geschichtsstreits mit Polen reist der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nicht zu einer Wiederaufbaukonferenz nach Danzig. Ministerpräsidentin Julia Swyrydenko teilte auf Telegram mit, dass sie die ukrainische Delegation bei der gemeinsam mit Polen ausgerichteten Konferenz am 26. und 27. Juni leiten werde. Polen ist einer der wichtigsten Unterstützer der Ukraine, doch die Beziehungen sind wegen eines diplomatischen Streits um die Umbenennung einer ukrainischen Militäreinheit angespannt. Die Regierung in Kyjiw hat diese nach einer Truppe benannt, die während des Zweiten Weltkriegs gegen die Sowjets kämpfte, aber auch Massaker an Polen verübte. Tusk betonte dennoch den Wert der Konferenz: „Der Aufbau guter Beziehungen ist nicht nur ein Ausdruck von Anstand in schwierigen Zeiten, in Kriegszeiten, sondern er lohnt sich auch.“
Ukraine zerstört Eisenbahnbrücke auf der Krim
Die ukrainische Armee hat nach eigenen Angaben eine Eisenbahnbrücke auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim zerstört. Die Brücke über den Nord-Krim-Kanal sei ein strategisch wichtiger Übergang gewesen, der für die Logistik der russischen Truppen große Bedeutung gehabt habe, teilte das Militär mit. Die ukrainischen Spezialkräfte erklärten auf Telegram, sie hätten in Zusammenarbeit mit Mitgliedern der Untergrund-Widerstandsbewegung zwei Angriffe auf die Brücke in der Nähe des Dorfes Rosdolne ausgeführt.
Putin wirft Nato Kriegsvorbereitungen vor
Kremlchef Wladimir Putin hat der Nato vorgeworfen, einen Krieg gegen Russland vorzubereiten. Bislang hätten sich die Staaten des westlichen Bündnisses darauf beschränkt, die Ukraine zu unterstützen, sagte Putin im Kreml vor Absolventen der russischen Militärakademien. Nun werde im Westen offen davon gesprochen, „dass sie sich auf einen Krieg gegen uns vorbereiten und ihre Militär- und Offensivhaushalte aufstocken“. Knapp 40 Prozent der russischen Haushaltsausgaben fließen in die Bereiche Militär, Rüstung und Sicherheit. Putin warf der Ukraine zudem vor, mit Angriffen auf zivile Ziele die russische Gesellschaft destabilisieren zu wollen. Angesichts dieser Angriffe sehe er keinen Grund für direkte Gespräche mit Selenskyj.
Treibstoffkrise in Russland weitet sich aus
Die durch ukrainische Angriffe auf Öl-Anlagen ausgelöste Treibstoffkrise in Russland weitet sich auf immer mehr Gebiete bis nach Sibirien aus. In der sibirischen Region Omsk wird die Abgabe von Benzin auf 40 Liter pro Auto begrenzt, teilte Gouverneur Witali Chozenko mit. Diesel werde je nach Standort auf 80 bis 200 Liter limitiert, das Abfüllen in Kanister sei verboten. Auch die Region Nowosibirsk bereitet ähnliche Einschränkungen vor. Der zweitgrößte russische Ölkonzern Lukoil rationiert den Verkauf von Benzin und Diesel in der Region Woronesch. Die tägliche Benzinproduktion lag in der vergangenen Woche bei rund 90.000 Tonnen, 25 Prozent unter dem Durchschnitt im Juni 2025. Die russischen Ölexporte auf dem Seeweg fielen in der ersten Junihälfte um 15 Prozent.
Die Ukraine attackierte erneut ein Ölterminal auf der Krim. Getroffen wurden ein Ölterminal und ein Öldepot nahe Kertsch. Auf der gegenüberliegenden Seite der Meerenge wurde der Hafen Kawkas im Gebiet Krasnodar erneut unter Beschuss genommen. Das russische Verteidigungsministerium meldete den Abschuss von 143 ukrainischen Drohnen.



