Neue Satellitenaufnahmen enthüllen den Baufortschritt einer Straßenbrücke über den Fluss Tumen, die Russland und Nordkorea verbindet. Die Verbindung zwischen Chassan im russischen Fernen Osten und Tumangang in Nordkorea steht kurz vor der Fertigstellung. Offiziell soll sie den bilateralen Handel und Tourismus ankurbeln, doch Experten gehen davon aus, dass sie vor allem dem militärischen Nachschub für Russlands Krieg in der Ukraine dient.
Bau im Eiltempo
Die Vereinbarung zum Bau der Brücke wurde während des Besuchs des russischen Präsidenten Wladimir Putin in Pjöngjang im Juni 2024 getroffen. Die Gesamtkosten werden auf über neun Milliarden Rubel (rund eine Milliarde Euro) geschätzt. Nordkorea hat seinen Teil des Projekts, einschließlich Grenzposten und Zufahrtsstraßen, rechtzeitig fertiggestellt. Russland hingegen ist auf seiner Seite in Verzug geraten, weshalb sich die ursprünglich für den 19. Juni geplante Eröffnung verschoben hat. Ein neuer Termin steht noch nicht fest.
Die Brücke ersetzt nicht, sondern ergänzt die bestehende Eisenbahnverbindung, die sogenannte Freundschaftsbrücke, die nur wenige Hundert Meter entfernt liegt. Im Gegensatz zur Schiene ermöglicht die Straßenbrücke einen flexibleren und weniger überwachbaren Transport.
Militärische Nutzung wahrscheinlich
Victor Cha vom Thinktank Center for Strategic and International Studies (CSIS) betonte gegenüber der BBC die Geschwindigkeit des Projekts. Diese spiegele „das Volumen der Handelsaktivitäten zwischen den beiden Seiten wider“, erklärte er. Dies liege vor allem an Nordkoreas Bereitstellung von „Truppen, Waffen, Munition und Arbeitskräften für Putins Krieg in der Ukraine“. Nordkorea hat bereits mehrere Tausend Soldaten nach Russland entsandt, von denen nach offiziell unbestätigten Schätzungen mindestens 2000 getötet wurden.
Ein Untersuchungsbericht der ukrainischen Menschenrechtsorganisation „Truth Hounds“ kommt zu dem Schluss, dass die Brücke eher dem Militärtransport dient. Nazar Myhun, Leiter der Recherche, erklärte im „Guardian“, dass Straßentransporte der Satellitenüberwachung viel leichter entgehen könnten. „Das Straßennetz Russlands und Nordkoreas ist weitaus größer als das Schienennetz, was eine vollständige Überwachung erschwert“, so Myhun.
Satellitenüberwachung umgangen
Myhun wies auf weitere Vorteile von Lkw-Transporten hin: Das Be- und Entladen von Lastwagen erfolge viel schneller und sei daher kürzer Satellitenüberflügen ausgesetzt. „Der auf einem Bild erkennbare Waggontyp verrät viel über die Ladung. Lkw hingegen sehen auf Satellitenbildern fast immer gleich aus“, betonte er. Zudem könnten Straßengüter an beliebigen Orten verladen werden, während Züge auf feste Eisenbahnknotenpunkte angewiesen seien. Dies mache Lkw zu „einem der entscheidenden Faktoren für die Stärke Russlands in diesem Krieg“.
Die Brücke könnte somit die Logistik für den russischen Angriffskrieg erheblich verbessern, indem sie eine weitere Route für Waffen, Munition und andere militärische Güter aus Nordkorea eröffnet, die schwerer zu verfolgen ist als die bestehende Eisenbahnlinie.
Nordkoreanische Unterstützung für Russland
Moskau und Pjöngjang verbindet ein Vertrag über strategische Partnerschaft. Erst vor wenigen Tagen bekräftigten die Außenminister beider Länder die enge Zusammenarbeit. Nordkoreanische Soldaten haben sich bereits an Kämpfen aufseiten Russlands beteiligt, insbesondere bei der Rückeroberung von Gebieten in der Region Kursk, die von der Ukraine in einer Überraschungsoffensive kontrolliert wurden. Die enge militärische Kooperation und die neue Brücke dürften die Allianz weiter festigen und den Druck auf die Ukraine erhöhen.



