Der Zahlungsdienstleister Paypal reagiert mit einem verschärften Sparkurs auf den Übernahmeversuch durch den Konkurrenten Stripe und den Finanzinvestor Advent. Konzernchef Enrique Lores stellte am Dienstag bei der Vorlage der Quartalszahlen einen umfassenden Transformationsplan vor, der unter anderem Einsparungen von 400 Millionen Dollar bis Jahresende vorsieht. Die Aktie des Unternehmens legte daraufhin um mehr als 3,5 Prozent zu.
Übernahmeangebot abgelehnt
Stripe und Advent hatten ein Angebot von 60,50 Dollar je Aktie unterbreitet, was einer Gesamtsumme von rund 53 Milliarden Dollar entspricht. Insidern zufolge hat der Paypal-Verwaltungsrat das Angebot jedoch abgelehnt, da es als zu niedrig bewertet wurde. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, unseren Transformationsplan zu präzisieren und unsere Wachstumsstrategie voranzutreiben“, sagte Lores. Er betonte, dass die Maßnahmen darauf abzielen, den Unternehmenswert nachhaltig zu steigern und damit eine Übernahme unattraktiv zu machen.
Die Übernahmeverhandlungen könnten sich Insidern zufolge jedoch fortsetzen. Analysten sehen Paypal trotz der Ablehnung weiterhin als Übernahmekandidaten. „Das Angebot von Stripe und Advent zeigt, dass Paypal unterbewertet ist“, erklärte ein Marktexperte. „Doch die Frage ist, ob die Sanierungspläne ausreichen, um die Aktionäre langfristig zu überzeugen.“
Restrukturierung in drei Geschäftsbereiche
Der seit März amtierende Konzernchef Enrique Lores hatte bereits vor Monaten eine umfassende Sanierung angekündigt. Kern des Plans ist die Aufteilung des Konzerns in drei Geschäftsbereiche: den traditionellen Zahlungsverkehr, die digitalen Dienstleistungen und die neuen Technologiefelder. Zudem setzt Paypal verstärkt auf Künstliche Intelligenz (KI), um Effizienzgewinne zu erzielen. „Durch den Einsatz von KI können wir Prozesse automatisieren und Kosten senken“, erklärte Lores. Die Organisation soll vereinfacht werden, um Entscheidungswege zu verkürzen.
Die Quartalszahlen übertrafen die Erwartungen der Analysten leicht. Der Umsatz stieg im zweiten Quartal um 8 Prozent auf 7,9 Milliarden Dollar, der Gewinn legte um 12 Prozent zu. Paypal hob zudem die Jahresprognose an: Der Gewinn je Aktie soll nun zwischen 5,10 und 5,20 Dollar liegen, nach zuvor 5,00 bis 5,10 Dollar. Die operative Marge soll auf 18 Prozent steigen.
Wachstumsstrategie und Wettbewerb
Paypal steht unter starkem Druck durch Konkurrenten wie Stripe, Block (Square) und Apple Pay. Der Markt für digitale Zahlungen wächst rasant, doch Paypal verliert Marktanteile. Mit dem Sparkurs und der Fokussierung auf profitables Wachstum will Lores das Ruder herumreißen. „Wir müssen schneller und effizienter werden“, sagte er. Die Investitionen in KI und die Vereinfachung der Struktur sollen dazu beitragen, die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.
Die Börse reagierte positiv auf die Ankündigungen. Die Aktie stieg am Dienstag um bis zu 4 Prozent. Analysten bewerteten die Maßnahmen als Schritt in die richtige Richtung, warnten jedoch vor zu viel Optimismus. „Die Umsetzung ist entscheidend“, so ein Analyst der Citigroup. „Paypal muss liefern, sonst könnte eine Übernahme doch noch zustande kommen.“
Ausblick und mögliche Übernahme
Sollte Paypal die Sanierung erfolgreich umsetzen, könnte der Aktienkurs weiter steigen und eine Übernahme unwahrscheinlicher machen. Sollten die Ziele jedoch verfehlt werden, dürften Stripe und Advent ein neues Angebot vorlegen. Experten schätzen, dass ein Preis von mindestens 70 Dollar je Aktie notwendig wäre, um den Vorstand von einer Übernahme zu überzeugen. Bis dahin bleibt die Situation angespannt. Paypal hat sich mit der Ablehnung des Übernahmeangebots Zeit erkauft, muss aber nun liefern.



