Ein syrischer Rettungstrupp unter der Leitung von Hussam Badawi sucht in Venezuela nach Überlebenden der verheerenden Erdbeben. In einem Interview mit dem SPIEGEL schildert Badawi die apokalyptischen Zustände in den betroffenen Gebieten und erklärt, wie ihm seine Erfahrungen aus dem syrischen Bürgerkrieg bei der Rettungsarbeit helfen.
Geruch des Todes und unvorstellbare Zerstörung
„Das Erste, was Sie wahrnehmen, ist der Geruch verwesender Körper“, beschreibt Badawi die Lage in Caracas. Die Erdbeben der Stärke 7,3 und 6,8 hätten weite Teile der Stadt in Schutt und Asche gelegt. Tausende Menschen werden noch vermisst, die offizielle Zahl der Todesopfer steigt stündlich. Das syrische Team sei eines von mehreren internationalen Hilfstrupps, das in den Trümmern nach Überlebenden suche.
Bürgerkrieg als Lehrmeister
Badawi betont, dass die syrischen Retter aufgrund ihrer Erfahrungen im Bürgerkrieg besonders gut auf solche Katastrophen vorbereitet seien. „Wir wissen, wie man unter Druck arbeitet, mit begrenzten Ressourcen umgeht und die Hoffnung nicht aufgibt“, sagt er. Diese Fähigkeiten seien in Venezuela von unschätzbarem Wert. Die syrische Regierung hatte das Team offiziell entsandt, um humanitäre Hilfe zu leisten – ein Zeichen der Solidarität, das über politische Gräben hinweggehe.
Politik spielt keine Rolle
Auf die Frage nach den diplomatischen Spannungen zwischen Syrien und Venezuela antwortet Badawi: „Wir sollten nicht über Politik nachdenken, wenn es darum geht, zu helfen.“ Es gehe einzig und allein darum, Menschenleben zu retten. Das Team arbeite eng mit venezolanischen Behörden und anderen internationalen Helfern zusammen. Bislang habe man Dutzende Überlebende aus den Trümmern befreien können, die genaue Zahl nennt Badawi nicht.
Herausforderungen vor Ort
Die Rettungsarbeiten werden durch Nachbeben, Stromausfälle und zerstörte Straßen erschwert. Viele Gebiete seien nur mit schwerem Gerät zugänglich. Die syrischen Retter nutzten speziell ausgebildete Hunde und technische Ortungsgeräte, um Verschüttete zu lokalisieren. Badawi appelliert an die internationale Gemeinschaft, mehr Hilfsgüter und Personal zu entsenden: „Jede Stunde zählt, die Menschen unter den Trümmern haben nicht viel Zeit.“
Ein Licht in der Dunkelheit
Trotz der schrecklichen Szenen gebe es auch Erfolge: „Wenn wir ein Kind lebend bergen, gibt uns das Kraft für die nächsten Tage.“ Das syrische Team werde noch mindestens zwei Wochen in Venezuela bleiben, um die Such- und Bergungsarbeiten fortzusetzen. Badawi hofft, dass ihre Arbeit nicht nur Leben rettet, sondern auch ein Zeichen der Menschlichkeit in einer von Konflikten zerrissenen Welt setzt.



