Die Ukraine hat Klage vor dem Internationalen Sportgerichtshof Cas eingereicht – gegen das Internationale Olympische Komitee (IOC). Der Grund: die vorläufige Aufhebung der Sperre des Russischen Olympischen Komitees (ROC). Ukrainas Sportminister Matwij Bidny kündigte die Klage auf LinkedIn an. Parallel dazu geht auch Russland vor Gericht: Das Land hat seinerseits den Cas angerufen und klagt gegen den Leichtathletik-Weltverband World Athletics, der trotz der IOC-Entscheidung am Ausschluss russischer und belarussischer Athleten festhält.
Hintergrund: IOC hebt Sperre auf
Anfang Juli hatte das IOC entschieden, Sanktionen gegen russische Sportler mit Blick auf die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles weitgehend aufzuheben. Die Maßnahmen gegen Russland waren ursprünglich verhängt worden, weil das ROC gegen die Olympische Charta verstoßen hatte. Der Vorwurf: Das russische Komitee hatte die vier annektierten ukrainischen Gebiete Donezk, Cherson, Luhansk und Saporischschja in seine Struktur aufgenommen. Doch Russlands Olympia-Komitee entzog dieser Begründung sportjuristisch die Grundlage, indem es seine interne Struktur änderte. Aus Sicht des IOC ist damit die juristische Grundlage für eine Sperre entfallen.
Ukrainische Position: „Voreilige Entscheidung“
Der ukrainische Sportminister Bidny nannte die IOC-Entscheidung „voreilig“. Laut ihm habe Russland ukrainische Sportorganisationen in seine eigene Struktur integriert. Zwar habe Russland die Struktur seines Olympia-Komitees verändert, die Ansprüche auf ukrainisches Territorium aber nicht aufgegeben. Seit dem 24. Februar 2022 führt Russland einen brutalen Angriffskrieg gegen die gesamte Ukraine. Bidny betont, dass die Aufhebung der Sperre ein falsches Signal sende und den russischen Angriffskrieg legitimieren könnte.
Russland kontert mit eigener Klage
Gleichzeitig zieht Russland vor den Cas, um gegen World Athletics zu klagen. Der Leichtathletik-Weltverband hält ungeachtet der IOC-Entscheidung am Ausschluss von russischen und belarussischen Athleten an internationalen Wettbewerben fest. World Athletics hatte Russland bereits im November 2015 wegen systematischen Dopings gesperrt und nur einzelnen Athleten unter neutraler Flagge Startrecht gewährt. Die russische Klage zielt darauf ab, diese Sperre aufzuheben, gestützt auf die jüngste IOC-Entscheidung.
Auswirkungen auf Olympia 2028
Die Entwicklungen haben direkte Auswirkungen auf die Vorbereitungen für die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles. Während das IOC eine weitgehende Integration russischer Athleten anstrebt, beharren die Ukraine und mehrere westliche Verbände auf strikten Sanktionen. Der Cas muss nun über beide Klagen entscheiden – ein Urteil wird frühestens im Herbst 2026 erwartet. Bis dahin bleibt die Teilnahme russischer und belarussischer Sportler an internationalen Wettbewerben ein zentraler Streitpunkt.



