Die USA haben im Konflikt um die Straße von Hormus in der zweiten Nacht in Folge massive Luftangriffe gegen den Iran geflogen. Rund 90 militärische Ziele entlang der iranischen Küste wurden getroffen, darunter Luftabwehrsysteme, Küstenüberwachungsanlagen sowie Raketen- und Drohnenlager, wie das US-Militär mitteilte. Die iranischen Revolutionsgarden reagierten mit Gegenangriffen auf US-Stützpunkte in Kuwait und Bahrain.
Trump droht mit noch heftigeren Angriffen
US-Präsident Donald Trump bezeichnete die Attacken auf der Plattform Truth Social als Vergeltung für vom Iran beschossene Schiffe. „Sollte sich so etwas wiederholen, wird es noch viel schlimmer kommen!“ drohte er. Die Revolutionsgarden kündigten an, ihre „vernichtenden Reaktionen“ auf weitere US-Stützpunkte in der Region auszuweiten, falls die USA ihre Aggression wiederholten. Das US-Regionalkommando Centcom erklärte die Angriffswelle für abgeschlossen.
Irans Verhandlungsführer Mohammed Bagher Ghalibaf schrieb auf X: „Amerika hat noch immer nicht begriffen, dass Einschüchterung und Wortbruch nicht mehr folgenlos bleiben. Um es ganz deutlich zu sagen: Wenn ihr zuschlagt, werdet ihr selbst getroffen.“
Explosionen und Schäden im Iran
Iranische Medien berichteten von Explosionen in mehreren Küstengebieten, darunter Bandar Abbas, Buschehr und die Insel Abu Musa. Laut der Nachrichtenagentur Irna wurden Gebäude am Flughafen der Stadt Iranschahr beschädigt. Der Staatssender Irib meldete zudem einen Treffer auf eine Eisenbahnbrücke in der Provinz Golestan. Nach Angaben der Revolutionsgarden wurde eine weitere Brücke getroffen. Press TV berichtete, es sei der erste US-Angriff in der Region seit Beginn der Waffenruhe im April gewesen.
Kuwait geriet erneut unter Beschuss; die Luftabwehr wehrte Raketen- und Drohnenangriffe ab. Auch in Bahrain heulten die Alarmsirenen. Beide Länder beherbergen US-Militärbasen in der Nähe des Iran.
Straße von Hormus als zentraler Streitpunkt
Das US-Institut für Kriegsstudien (ISW) analysierte, der Iran sei bereit, einen umfassenden Konflikt mit den USA in Kauf zu nehmen, um seine Kontrolle über die Straße von Hormus zu sichern. Die Meerenge gilt als Irans stärkstes wirtschaftliches und militärisches Druckmittel für den globalen Handel mit Öl, Gas und Dünger. Die Wiederöffnung der Straße von Hormus war ein zentraler Bestandteil des Rahmenabkommens zwischen Washington und Teheran vom Juni, doch der Passus lässt Interpretationsspielraum. Der Iran pocht darauf, laut Abkommen allein für die Verwaltung zuständig zu sein.
Mögliche mehrwöchige Auseinandersetzung
Nach Informationen von „Axios“ bereitet sich das Weiße Haus auf eine mehrtägige bis mehrwöchige militärische Auseinandersetzung vor. Die Dauer und Intensität der Angriffe hänge von Teherans nächsten Schritten ab, hieß es unter Berufung auf US-Regierungsbeamte. Sie könnten ein oder zwei Tage, eine Woche oder einen Monat andauern, je nachdem ob der Iran seine Angriffe auf Handelsschiffe fortsetze.
Trump erklärte auf dem Rückflug vom Nato-Gipfel, die Iraner hätten „vor kurzem angerufen“ und wollten „unbedingt ein Abkommen abschließen“. Er sei sich jedoch unsicher, ob sie eines Abkommens würdig seien oder sich daran halten würden. Auf die Frage, warum Irans Führung trotz Interesse an einem Abkommen Handelsschiffe angreife, antwortete Trump: „Weil ... sie etwas verrückt sind.“
Verhandlungen in der Schwebe
Bereits in der ersten Nacht hatten die USA mehr als 80 Ziele im Iran attackiert. Trump stellte die Waffenruhe infrage und äußerte Zweifel an weiteren Verhandlungen: „Ich denke, es ist vorbei. Ich will nichts mehr mit ihnen zu tun haben. Sie sind Abschaum.“ Irans Außenminister Abbas Araghtschi entgegnete auf X: „Wir begegnen Obszönitäten nicht mit Obszönitäten, sondern mit Taten: furchtlos und mit großem Mut.“
Die Eskalation überschattet die Trauerfeiern für das getötete Staatsoberhaupt Ajatollah Ali Chamenei. Mehr als vier Monate nach seiner Tötung durch einen israelischen Luftangriff sollte er unter Ausschluss der Öffentlichkeit im Imam-Resa-Heiligtum in Maschhad beerdigt werden. Nach seiner Tötung hatten die USA und Israel mehr als fünf Wochen Krieg gegen den Iran geführt, bis im April eine Waffenruhe vereinbart wurde.
Araghtschi stellte klar, dass es keine Verhandlungen über ein endgültiges Abkommen geben werde, solange die Drohungen andauerten. Der Vermittlerstaat Pakistan rief beide Seiten zur Zurückhaltung auf und forderte die Einhaltung des Rahmenabkommens, das eine 60-tägige Frist für einen endgültigen Deal vorsieht. Ob dieser Zeitplan noch Bestand hat, ist unklar. Streitpunkte bleiben das iranische Atomprogramm, die Sicherheit der Schifffahrt in der Straße von Hormus und Irans Unterstützung für militante Gruppen. Pakistanische Kreise wiesen Sorgen zurück, die Eskalation gefährde den Verhandlungsprozess; eine nächste Runde sei wieder in Pakistan oder in Doha möglich.



