Die USA haben nach eigenen Angaben über 80 Ziele im Iran angegriffen und ihre Attacken mittlerweile beendet. Die Streitkräfte hätten unter anderem Luftabwehrsysteme, Schiffsabwehrraketen sowie mehr als 60 Boote der Revolutionsgarden in oder nahe der Straße von Hormus getroffen, teilte das zuständige Regionalkommando Centcom mit. Damit sei die Fähigkeit des Irans beeinträchtigt worden, den Schiffsverkehr in der Meerenge zu stören. Das US-Militär stellte die Attacke als Reaktion auf iranische Angriffe auf drei Handelsschiffe dar. Centcom zufolge hatte der Iran je ein Schiff unter Flagge der Marshallinseln, Liberias sowie Saudi-Arabiens angegriffen. Die US-Streitkräfte stünden weiterhin bereit, den Iran bei Verstößen gegen das Rahmenabkommen zur Rechenschaft zu ziehen.
Iran meldet weitere Angriffe auf Bahrain und Kuwait
Der Iran hat unterdessen weitere Angriffe auf den Golfstaat Bahrain gemeldet. Nahe der Hafenstadt Buschehr seien mindestens zwei Projektile eingeschlagen, berichtete die iranische Nachrichtenagentur Tasnim am Vormittag (Ortszeit) unter Berufung auf den Vizegouverneur der gleichnamigen Provinz. Auch der als Vahid bekannte Netzjournalist berichtete über Angriffe bei Buschehr. Er zitierte auf seinem Telegram-Kanal Bewohner, die Explosionen nahe einem Luftwaffenstützpunkt meldeten. Die Revolutionsgarden meldeten den Tod eines Mitglieds, wie die Elitestreitmacht laut dem staatlichen Rundfunk mitteilte. Demnach wurde ein Soldat der Flugabwehr in der Stadt Mahschahr in der Provinz Chusestan getötet. Wie der staatliche, iranische Rundfunk berichtete, griff der Iran zuvor erneut Bahrain an – dort heulten die Sirenen. Einwohner wurden aufgerufen, ruhig zu bleiben und sich in Sicherheit zu bringen, wie das Innenministerium in dem Golfstaat auf X schrieb.
Irans Revolutionsgarden teilten nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Irna mit, ihrerseits 85 Ziele in US-Militäreinrichtungen attackiert zu haben, darunter im Bereich der fünften US-Flotte vor Bahrain sowie auf dem Luftwaffenstützpunkt Ali Al-Salem in Kuwait. Auch eine feindliche Drohne habe man abgeschossen. Bahrain und Kuwait waren wie auch andere Golfstaaten schon mehrfach unter iranischen Beschuss geraten. Sie alle beherbergen US-Militärbasen, die sich nur wenige Hundert Kilometer vom Iran entfernt befinden.
Wadephul: Iran muss jetzt endlich vernünftig verhandeln
Trotz der jüngsten US-Angriffe auf den Iran betrachtet Bundesaußenminister Johann Wadephul die Diplomatie um eine Beendigung des Konflikts noch nicht als gescheitert. „Der Iran muss jetzt wirklich verstehen, dass ernsthaft zu verhandeln ist und weitere Militärschläge angebracht sind“, sagte der CDU-Politiker dem Sender NDR Info. Die iranische Führung habe noch immer nicht verstanden, dass sie darauf verzichten müsse, „eine nukleare Bewaffnung zu haben“, sagte Wadephul. Sie habe nun die Chance, den Krieg mit einem entsprechenden Bekenntnis und vernünftigen Verhandlungen zu beenden. Die Waffenruhe als Grundlage für tiefergehende Gespräche zwischen den USA und dem Iran hält Wadephul trotz der erneuten Angriffe nicht für gescheitert. „Nein, ich glaube, es gibt eine Chance, dass wirklich diese Verhandlungen noch stattfinden“, sagte er zu NDR Info. Er betonte, dass man endlich Ruhe in der für den Welthandel so wichtigen Straße von Hormus brauche. „Sie muss frei sein, sie muss zugänglich sein für den internationalen Schiffsverkehr.“ Der Iran verhindere dies überwiegend, was ein Verstoß gegen das Seevölkerrecht sei.
Nato-Chef Rutte: US-Militärschläge „absolut notwendig“
Die neuen US-Angriffe auf iranische Ziele sind aus Sicht von Nato-Generalsekretär Mark Rutte „absolut notwendig“ gewesen. „Wenn eine Waffenruhe besteht und der Iran diese im Grunde genommen verletzt, halte ich es für vollkommen entscheidend, dass die USA entschlossen reagieren“, sagt Rutte vor Journalisten im Vorfeld eines Gipfeltreffens der Nato-Staats- und Regierungschefs in Ankara. Der Iran hatte Berichten zufolge in der Straße von Hormus trotz einer eigentlich vereinbarten Waffenruhe Tanker angegriffen. Daraufhin führten die USA neue Militärschläge aus, worauf der Iran wiederum mit Angriffen auf US-Militärstützpunkte in Bahrain und Kuwait reagierte.
Eskalation treibt Ölpreis und belastet Aktien
Die Eskalation des Konflikts zwischen den USA und dem Iran hat am Mittwoch den Ölpreis in die Höhe getrieben und für Nervosität an den Finanzmärkten gesorgt. Nach US-Luftangriffen auf Ziele im Iran und der Wiedereinführung von Sanktionen gegen iranische Ölexporte fürchten Anleger eine Störung der Lieferketten im Nahen Osten. „Offensichtlich mag der Markt diese Angriffe nicht, aber es ist auch keine ausgewachsene Panik“, sagte Jason Wong, Stratege bei der Bank of New Zealand. Die Anfälligkeit des Marktes sei jedoch wegen der weltweit niedrigen Reserven hoch. Daten aus dieser Woche zeigten, dass die strategischen Ölreserven der USA auf den niedrigsten Stand seit 1983 gefallen sind. An den Aktienmärkten deuteten die Termingeschäfte auf eine schwächere Eröffnung in den USA hin.
Amnesty fordert internationalen Druck auf Iran
Sechs Monate nach der blutigen Niederschlagung der Proteste im Iran hat Amnesty International weltweiten Druck auf die Regierung in Teheran gefordert. „Die internationale Gemeinschaft hat es versäumt, die Verbrechen gegen die iranische Bevölkerung aufklären zu lassen und sich glaubhaft für eine internationale Strafverfolgung einzusetzen“, sagte Julia Duchrow, Generalsekretärin der Menschenrechtsorganisation in Deutschland. Amnesty International appellierte in einer Mitteilung an die internationale Gemeinschaft, „die systemische Straflosigkeit und Menschenrechtskrise“ im Iran auf die Agenda zu setzen. Die Menschenrechtsorganisation forderte zudem Deutschland auf, auf Grundlage des Weltrechtsprinzips Ermittlungen aufzunehmen und die Verantwortlichen für Verbrechen nach dem Völkerrecht vor deutsche Gerichte zu stellen.
Inhaftiertes britisches Paar im Iran offenbar im Hungerstreik
Ein im Iran inhaftiertes britisches Paar ist Berichten zufolge seit Wochen im Hungerstreik. Den beiden werde weiterhin der Kontakt zu ihrer Familie untersagt, berichtete das Menschenrechtsnetzwerk HRANA unter Berufung auf eine mit der Situation vertraute Quelle. Beide hätten seit Beginn ihres Hungerstreiks rund 15 Kilogramm Gewicht verloren. Dem HRANA-Bericht zufolge hätten sich ihre Haftbedingungen verschlechtert, nachdem sie dem britischen Sender BBC ein Interview gegeben hatten. Seit fast zwei Monaten befindet sich das Paar demnach im Hungerstreik, den die Inhaftierten im Mai begonnen hatten. Damals sei den Briten der telefonische Kontakt zu ihren Familien untersagt worden. Familienangehörige seien nach Berichten, wonach dem Paar medizinische Versorgung verweigert werde, „zutiefst besorgt“, berichtete die BBC. Im Februar wurde bekannt, dass die Eheleute zu zehn Jahren Haft verurteilt worden waren. Sie waren im vergangenen Jahr während einer Motorradreise in der zentralen Wüstenprovinz Kerman wegen des Verdachts der Spionage festgenommen worden.



