Der Vater des mutmaßlichen Berlin-Attentäters Abdul B. hat sich in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ geäußert. Tawfik B. erklärte, sein Sohn sei einer „Gehirnwäsche“ unterzogen worden. Er betonte zugleich, die Familie sei schiitisch und unterstütze den Islamischen Staat (IS) nicht. „Wir sind Schiiten. Wir unterstützen den Islamischen Staat nicht“, sagte der 64-Jährige, der von seiner Frau getrennt lebt.
Radikalisierung und Festnahmen
Abdul B. war im Juli 2025 im Libanon festgenommen worden, weil er offenbar nach Syrien zum IS reisen wollte. Nach drei Monaten Haft kehrte er nach Deutschland zurück, wo er am Flughafen Berlin-Brandenburg erneut verhaftet wurde. Ein Berliner Gericht verurteilte ihn wegen „Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat“ zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung. Zudem sollte er an einem Deradikalisierungsprogramm teilnehmen. Extremismusberater sahen „nicht das geringste Anzeichen einer Bedrohungssituation“.
Letzte Telefonate und der Anschlag
Am Samstag vor der Tat telefonierte Abdul B. mit seinem Vater. „Wir haben ganz normal gesprochen, wie jeden Tag“, berichtete Tawfik B. Der Sohn habe gesagt, er vermisse seinen Vater und wünsche sich, mit der Familie im Libanon zu sein. Am Abend versuchte der Vater vergeblich, Abdul erneut zu erreichen. „Hunderte Male“ habe er angerufen. Die letzte Nachricht sei um 21.53 Uhr eingegangen. Gegen 22 Uhr fuhr der mutmaßliche Täter mit einem gemieteten weißen Transporter im Großen Tiergarten in eine Menschenmenge. Eine Frau starb, 29 Menschen wurden verletzt. Der 21-Jährige floh zu Fuß und versteckte sich in einer Gartenlaube in Spandau. Dort erschoss ihn die Polizei, nachdem er mit einem Messer in der Hand auf die Beamten zugelaufen war.
Familie als „nicht extrem religiös“ beschrieben
Tawfik B. schilderte seinen Sohn als „großzügig, emotional, liebevoll“ und mit dem „Herz eines Kindes“. Abdul habe die Schule bis zur zehnten Klasse besucht und unter anderem als Sicherheitsmitarbeiter und Fahrer gearbeitet, jedoch keinen dauerhaften Job gehabt. Der Vater habe eine zunehmende Radikalisierung bemerkt, etwa als Abdul einen langen Bart tragen wollte. „Ich habe ihm nicht erlaubt, einen langen Bart zu tragen“, sagte Tawfik B. Ein Streit über die Haltung zum IS endete mit Abduls Aussage, die Terrororganisation sei „schlecht“.
Politische Einordnung
CSU-Politiker Alexander Dobrindt stufte die Bluttat als „islamistischen Terroranschlag“ ein. Der Fall wirft erneut Fragen nach Deradikalisierungsprogrammen und der Überwachung von Gefährdern auf. Die Familie des Täters zeigt sich erschüttert. Die Mutter und die drei Schwestern, die mit Abdul in Berlin lebten, seien „außer sich“, so der Vater.



