Ärzte schlagen Alarm: Reform gefährdet Patientenversorgung
Mit der geplanten Gesundheitsreform soll gespart werden – doch Ärzte warnen vor gravierenden Folgen für die Patientenversorgung. Ein Kinderarzt, eine Gynäkologin, ein Hausarzt und ein Psychotherapeut schildern ihre Befürchtungen. Besonders Schwangere und Kinder seien von Versorgungslücken bedroht.
Kinderarzt: „Wir können nicht alle Kinder behandeln“
Der Kinderarzt aus Nordrhein-Westfalen berichtet, dass seine Praxis bereits jetzt an Kapazitätsgrenzen stoße. Durch die Reform drohten weitere Einschnitte: „Die Politik zwingt mich dazu, Schwangere unversorgt wegzuschicken“, zitiert der Spiegel. Er befürchtet, dass Vorsorgeuntersuchungen für Säuglinge und Kleinkinder nicht mehr ausreichend durchgeführt werden könnten. Eine konkrete Zahl nennt er nicht, aber Studien zeigten, dass bereits heute jede zehnte Kinderarztpraxis Neupatienten ablehnt.
Gynäkologin: Schwangere ohne Anschluss
Eine niedergelassene Gynäkologin aus Bayern kritisiert, dass die Reform vor allem die ambulante Versorgung treffe. „Viele Kolleginnen und Kollegen erwägen, ihre Praxen zu schließen“, sagt sie. Für Schwangere bedeute dies längere Wartezeiten und Unsicherheit. Sie fordert eine nachhaltige Finanzierung der Frauenheilkunde.
Hausarzt: Hausbesuche werden zum Luxus
Ein Hausarzt aus Sachsen-Anhalt schildert, dass die Vergütung für Hausbesuche so gering sei, dass er sie kaum noch anbieten könne. „Ältere Patienten und chronisch Kranke leiden besonders“, erklärt er. Die Reform wolle hier sparen, doch die Praxen seien bereits am Limit.
Psychotherapeut: Wartezeiten verschärfen sich
Ein Psychotherapeut aus Berlin warnt vor einer weiteren Verschärfung der psychotherapeutischen Versorgung. Schon jetzt betrage die durchschnittliche Wartezeit auf einen Therapieplatz sechs Monate. Die Reform sehe Kürzungen vor, die diese Situation unerträglich machen würden.
Die vier Mediziner sind sich einig: Ohne Nachbesserungen drohe eine Zweiklassenmedizin, bei der nur noch Privatpatienten ausreichend versorgt würden. Die Politik müsse handeln, bevor es zu spät sei.



