Frontinsel Kinmen: Hier ist Taiwan so, wie China es sich wünscht
Die taiwanische Insel Kinmen ist nur drei Kilometer von der chinesischen Küste entfernt. Der Konflikt mit Peking wirkt hier wie Folklore. Von Kinmen berichtet Cornelius Dieckmann.
Auf der Insel Kinmen, die zur Republik China (Taiwan) gehört, ist die Nähe zum chinesischen Festland allgegenwärtig. Die Skyline der Metropole Xiamen ist bei klarem Wetter deutlich zu sehen. Süßwasser wird sogar aus der Volksrepublik importiert, wie ein Foto von AFP zeigt. Doch trotz der geografischen Nähe und der historischen Konflikte wirkt die politische Spannung hier oft wie eine ferne Erinnerung.
Die Bewohner Kinmens haben sich an die besondere Situation gewöhnt. Viele pflegen enge wirtschaftliche und familiäre Beziehungen zum chinesischen Festland. Der Alltag wird weniger von Politik als von Tourismus und Fischerei bestimmt. Die Insel ist bekannt für ihre traditionelle Architektur, Strände und die berühmte Kaoliang-Likör-Destillerie.
Dennoch bleibt die militärische Präsenz spürbar. Bunker und Befestigungsanlagen zeugen von der Zeit des Kalten Krieges, als Kinmen eine Frontlinie im Konflikt zwischen Taiwan und China war. Heute sind diese Stätten oft Touristenattraktionen. Die Menschen hoffen auf eine friedliche Zukunft, auch wenn die politischen Spannungen zwischen Taipeh und Peking weiterhin bestehen.
Der Artikel aus dem SPIEGEL 25/2026 beleuchtet diese ambivalente Situation. Kinmen ist ein Ort, an dem Taiwan so ist, wie China es sich wünscht: nah, wirtschaftlich verflochten, aber politisch eigenständig. Ein Besuch auf der Insel zeigt, wie komplex die Beziehungen zwischen den beiden Staaten sind.



