Mehr als sieben Jahrzehnte nach einem der schwersten Unglücke der frühen Passagierluftfahrt ist das Wrack des Pan-Am-Flugs 526A entdeckt worden. Das Flugzeug, das 1952 nach einer Notwasserung im Atlantik sank, liegt vor der Nordküste Puerto Ricos in rund 600 Metern Tiefe.
Expedition findet versunkenes Flugzeug
Wie der US-Medienkonzern Discovery mitteilte, wurde die Douglas DC-4 „Clipper Endeavor“ im vergangenen Monat im Rahmen einer Expedition der Air/Sea Heritage Foundation, der Firma Deep Sea Vision und des Discovery-Formats „Expedition Unknown“ gefunden. Eine Unterwasserdrohne entdeckte das Wrack, das in zwei Teile zerbrochen auf dem Meeresboden liegt. Auf den Aufnahmen ist das historische Logo der Fluggesellschaft Pan Am noch deutlich zu erkennen. Die Entdeckung beendet ein jahrzehntelanges Rätsel darüber, wo genau die Douglas DC-4 nach ihrem Absturz ins Meer kurz nach dem Start von Puerto Rico am 11. April 1952 mit 64 Passagieren und fünf Besatzungsmitgliedern an Bord zum Liegen kam.
Notwasserung endet in Katastrophe
Die Maschine war am 11. April 1952 von Puerto Rico nach New York gestartet. Kurz nach dem Abheben fielen zwei der vier Triebwerke aus. Der Pilot entschied sich daraufhin für eine Notwasserung auf dem Atlantik. Den Aufprall überlebten zunächst alle 69 Menschen an Bord. Während das Heck der Maschine abriss, blieb die Kabine zunächst weitgehend intakt. Doch wenig später begann das Flugzeug zu sinken.
Nach damaligen Berichten herrschte an Bord große Verwirrung. Obwohl ausreichend Rettungswesten und Rettungsinseln vorhanden waren, wussten viele Passagiere nicht, wie sie die Ausrüstung benutzen oder die Notausgänge finden sollten. Die Maschine versank innerhalb weniger Minuten. 52 Menschen kamen ums Leben. Nur zwölf Passagiere und alle fünf Besatzungsmitglieder konnten gerettet werden. Zu den Überlebenden gehörte auch ein Baby, das auf der Wasseroberfläche treibend entdeckt und erfolgreich wiederbelebt wurde.
Unglück veränderte Sicherheitsvorschriften
Das Unglück hatte weitreichende Folgen für die zivile Luftfahrt. Nach dem Absturz wurden Sicherheitsvorschriften angepasst. Seitdem gehören Einweisungen zu Notausgängen und Rettungswesten vor jedem Flug zum Standard. Doug Miller von der Pan Am Historical Foundation erklärte gegenüber CNN: „Hätte die Kabinenbesatzung vor dem Flug ihre Autorität deutlich gemacht, wären sowohl ihre Aufgabe als auch ihre Botschaft in der entscheidenden Situation wirkungsvoller gewesen.“ Berichte von Überlebenden deuteten darauf hin, dass viele Passagiere den Ernst der Lage trotz der Hinweise der Besatzung nicht erkannt hätten.
Wrack bleibt als Gedenkstätte auf dem Meeresgrund
Nach Angaben von Discovery soll die Entdeckung des Wracks noch in diesem Jahr in einer Folge der Dokumentationsreihe „Expedition Unknown“ vorgestellt werden. Eine Bergung der Maschine ist nicht geplant. Ein Sprecher erklärte laut CNN, bei der Absturzstelle handele es sich um die letzte Ruhestätte der Opfer. Das Wrack solle deshalb auf dem Meeresgrund verbleiben. Die Air/Sea Heritage Foundation arbeitet nun mit der Regierung von Puerto Rico zusammen, um den Schutz der Absturzstelle auszuweiten, und setzt sich für ein Denkmal zu Ehren der bei dem Absturz Verstorbenen ein, heißt es in der Mitteilung. Laut der Mitteilung wurden auch Familienangehörige, die direkt von der Tragödie betroffen sind, sowie die beiden einzigen bekannten Überlebenden des Absturzes kontaktiert.



